Aus der Orts- und Schulchronik von Biskirchen
August 1914

Samstag, den 1. August 1914 wurde von Sr. Majestät dem Kaiser die Mobilmachung befohlen. Die Nachricht traf nachmittags etwas nach 6 Uhr hier ein. Schon den ganzen Tag herrschte eine gewisse Unruhe und Spannung unter den Leuten. Als ich um 6 Uhr noch einmal zur Post gehen wollte und keiner auf der Straße war, da rief man mir zu: „Es ist mobil!“ Überall standen die Leute truppweise zusammen, auf ihren Gesichtern war teils Begeisterung, teils aber auch Angst und Aufregung zu lesen. Am nächsten Morgen waren im Dorfe überall große Zettel angeheftet, auf denen die Einberufungsbeorderungen standen.


Der 1. Mobilmachungstag war der 2. August; an diesem und den nächsten Tagen hatten sich aus hiesigem Orte folgende Mannschaften zu stellen:


Die Aktivdienenden waren:

  • 1. Robert Oberding
    - Feld Art. Reg. Nr. 29,
  • 2. Karl Schäfer
    - Inf. Reg. Nr. 88,
  • 3. Adolf Knapp
    - Inf. Reg. Nr. 88,
  • 4. Eduard Knapp
    - Inf. Reg. Nr. 88,
  • 5. Robert Fischer
    - Inf. Reg. Nr. 168,
  • 6. Hermann Zipp
    - Inf. Reg. Nr. 87, Lehrer
  • 7. Friedrich Fischer
    - Eisenbahn Reg. Nr. 2.

Die Reservisten und Landwehrleute:

  • 1. Wilhelm Krauß
    eingerückt am 2.8.14
  • 2. Willi Scharf
    eingerückt am 2.8.14
  • 3. Karl Gruhn
    eingerückt am 3.8.14
  • 4. Heinrich Osbahr
    eingerückt am 2.8.14
  • 5. Karl Schäufler
    eingerückt am 4.8.14
  • 6. Karl Lotz
    eingerückt am 4.8.14
  • 7. Heinrich Daniel
    eingerückt am 4.8.14
  • 8. Albert Walter
    eingerückt am 4.8.14
  • 9. Adolf Scharf
    eingerückt am 4.8.14
  • 10. Friedrich Weber, Schäfer
    eingerückt am 5.8.14

  • 11. Karl Knetsch
    eingerückt am 5.8.14
  • 12. Karl Sander
    eingerückt am 6.8.14             gestorben 1.2.1935
  • 13. Karl Zech
    eingerückt am 7.8.14
  • 14. Adolf Weber
    eingerückt am 7.8.14
  • 15. Otto Fischer
    eingerückt am 8.8.14
  • 16. Wilhelm Diehl
    eingerückt am 8.8.14
  • 17. Hermann Emrich
    eingerückt am 9.8.14
  • 18. August Weber
    eingerückt am 9.8.14
  • 19. Heinrich Schäufler
    eingerückt am 9.8.14
  • 20. Jakob Hartmann
    eingerückt am 9.8.14
  • 21. Heinrich Rupp
    eingerückt am 9.8.14


Am 3. August verfügte der Kommandierende General des 18. Armeekorps, daß sämtliche Schulen auf dem Lande und die Volks- und Mittelschulen in den kleineren und mittleren Städten sofort bis auf weiteres geschlossen werden sollten, damit die Ernte schleunigst eingebracht wird und die notwendigen landwirtschaftl. Arbeiten ausgeführt werden. Lt. dieser Verfügung fiel der Unterricht vom 4. bis 20. August aus.


Am Mittwoch, den 5. August wurde auf Anordnung des Kaisers ein allgem. Bettag in ganz Deutschland abgehalten; unsere Kirche war an diesem Tage bis zum letzten Platz gefüllt.

Tag und Nacht fuhren nun die Truppen mit der Bahn nach den Kriegsschauplätzen. Wir konnten täglich die Militärzüge betrachten. Da sah man aber keine traurigen Gesichter, Mut und große Begeisterung strahlte aus den Augen der Soldaten, und fröhliche Lieder erklangen. Die Lehrer gingen oft mit den Schulkindern an die Bahn, um unsere Soldaten zu begrüßen. – Nach einiger Zeit trafen die ersten Kriegsnachrichten ein; jeder Sieg wurde in unserem Dorfe mit Glockengeläute verkündet.

Leider brachten die Züge auch schon bald viele Verwundete, die auf den Bahnhöfen durch Speise und Trank erquickt wurden. Auch auf den Bahnhof Stockhausen brachten die Leute aus den umliegenden Dörfern Erfrischungen aller Art, um sie den Verwundenen zu reichen. –
Gleichzeitig sahen wir auch die ersten gefangenen Franzosen verbeifahren. Solche Gefangenenzüge wurden gewöhnlich vorher gemeldet, und so fand sich dann immer eine große Menschenmenge am Bahndamm ein. Namentlich betrachteten die Kinder neugierig die Gefangenen mit ihren roten Hosen, blauen Jacken und Käppis. ?? –


Im Monat August mussten sich auch nachstehende Landsturmleute und Ersatzreservisten stellen:
Landsturm:

  • 1. Friedrich Schauß
    am 2.8.14
  • 2. Karl Tröller
    am 2.8.14
  • 3. Karl Weber
    am 2.8.14
  • 4. Heinrich Oberding
    am 4.8.14
  • 5. Adolf Hennche
    am 9.8.14
  • 6. Heinrich Zutt
    am 9.8.14
  • 7. Otto Zutt
    am 9.8.14
  • 8. Hermann Neuhof
    am 17.8.14
  • 9. Friedrich Daniel
    am 17.8.14
  • 10. Wilhelm Sander
    am 17.8.14

Ersatz Reserve:

  • 1. Paul Karl
    am 4.8.14
  • 2. Adolf Weber
    am 5.8.14
  • 3. Wilhelm Weber
    am 7.8.14
  • 4. Heinrich Scharf
    am 7.8.14
  • 5. Wilhelm Köpper
    am 7.8.14
  • 6. Karl Bremond
    am 7.8.14


Am 11. August 1914 trat Hermann Volk freiwillig zum Inf. Regt. Nr. 222 in Gießen ein.
In Wetzlar wurden für die verwundeten Krieger 3 Lazarette eingerichtet: das Reservelazarett der Unteroffizierschule, das Gertrudishaus und das Buderus`sche Lazarett. Die Bewohner des Kreises taten nun alles, um den Verwundeten das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Eine Gemeinde suchte die andere im Spenden von Liebesgaben zu übertreffen. Es zeigte sich eine Opferfreudigkeit, die den Einwohnern unseres Kreises alle Ehre machte.



Unsere Gemeinde veranstaltete am 22. August 1914 die 1. Sammlung. Dieselbe fand im I. Schulsaal statt. Das Ergebnis derselben war:
368 M in barem Gelde, 92 Hemden, 7 Paar Unterhosen, 23 Paar Strümpfe, 21 Leinentücher, 40 Pfund Tabak, 771 Zigarren, 24 Schachteln Zigaretten, 44 Eier, 1 Paar Pulswärmer, 1 Unterjacken, 4 Glas Gelee. – Das Geld wurde an das Rote Kreuz in Wetzlar abgeliefert. Einen Teil der anderen Gaben erhielten hiesige arme Familien, deren Ernährer im Felde stehen, während der übrige Teil dem Vaterländischen Frauenverein überwiesen wurde.