Aus der Orts- und Schulchronik von Biskirchen
September 1914

Montag, den 7. September abends versammelten sich Frauen und Mädchen von hier im I. Schulsaale, um über Anfertigung von Hemden, Leibbinden, Tücher usw. zu beraten. Daraufhin wurde nun am folgenden Tage zunächst wieder eine Geldsammlung abgehalten. Von diesem Gelde kaufte man Stoffe und Garn, und die Frauen und Mädchen des Dorfes nähten und strickten nun fleißig. Von den angefertigten Sachen erhielt alsdann jeder Krieger hiesigen Ortes ein Paket. Jedes Paket enthielt: 1 Hemd, 1 Paar Unterhosen, 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Armstauchen, 1 Leibbinde, Schokolade, Zigarren und Zigaretten. Die Pakete wurden von einigen Mädchen, von Lehrer Renkhoff und Vorsteher Knetsch gepackt und fortgeschickt. Sie bereiteten unseren Kriegern große Freude, und fast alle bestätigten durch Karten den Empfang. –Der übrige Vorrat – 27 Hemden, 55 Paar Strümpfe, 30 Armstauchen und 6. Armbinden – kam nach Wetzlar an die Sammelstelle für das 18. Armeekorps. – Eine nochmalige Geldsammlung Anfang November ergab noch 67 Mark. Von diesem Betrag kaufte man auch noch Hemden, Unterhosen usw. und schickte sie hiesigen Kriegern ins Feld.



Otto Fischer, Sohn von Emil Fischer wird seit 10.Sept. 1914 (Gefecht bei Vitry) als vermißt gemeldet. Er stand im Landwehr Inf. Reg. Nr. 116. – Am 10. Sept. 1914 wurde Wilhelm Diehl (Res. Inf. Reg. Nr. 81) durch einen Schrapnellschuß am linken Ellenbogen verwundet und kam am 11. Sept. 1914 in französische Gefangenschaft



Heinrich Schäufler (Landwehr Inf. Reg. Nr. 116) zog sich am 15. Sept. 1914 im Gefecht bei Cernay einen Armbruch zu. Am 8. Sept. machte er das Gefecht bei Vitry und dann den Rückzug an der Marne mit. –
Jakob Hartmann wurde auch am 15. Sept. 1914 durch einen Knochenschuß in den linken Oberarm verwundet. Er diente ebenfalls im Reg. Nr. 116. –


Am 19. Sept. 1914 kam die Nachricht, daß Heinrich Rupp (Inf. Reg. Nr. 116, 12. Komp.) verwundet in französische Gefangenschaft gekommen sei. Man vermutet, daß er dort gestorben ist.


Am 20. Sept. 1914 wurde eine dritte Geldsammlung in der Gemeinde vorgenommen. Der Betrag von 189 M kam diesmal den so schwer heimgesuchten Bewohnern von Ostpreußen zugute. –
Bald darauf kam schließlich noch eine 4. Sammlung zustande. Von diesem Gelde kaufte man noch Unterkleider für im Felde stehenden Soldaten aus Biskirchen. –


Adolf Knapp (Inf.Reg.Nr. 88) wurde am 27. Sept. 1914 bei Roye verwundet (Armschuß).


Robert Fischer (Inf.Reg.Nr.168) Sohn von Hermann Fischer starb am 30. Sept. 1914 den Heldentod für das Vaterland infolge eines schweren Kopfschusses. Er liegt in Frankreich begraben. –


Im Monat September mußten sich noch folgende Landsturmleute und Ersatz-Reservisten stellen:

  • 1. Wilhelm Schmidt
    am 15.9.14
  • 2. Christian Keller
    am 15.9.14
  • 3. Jakob Piscator
    am 18.9.14
  • 4. Samuel Heymann
    am 15.9.14
  • 5. Friedrich Baumann
    am 2.9.14
  • 6. Robert Sturm
    am 30.9.14

Auch unsere Schulkinder ließen es sich nicht nehmen, ihr erspartes Geld für die braven Truppen zu spenden. Beide Schulen brachten einen Geldbetrag von 34,40 M zusammen, der dem Roten Kreuz überbracht wurde. Eine 2. Sammlung in der I. Schule ergab noch 14 M. Von diesem Gelde kaufte der Lehrer Garn, und jedes Schulkind strickte für einen Soldaten 1 Paar Strümpfe. So hat unsere Gemeinde bis jetzt auch an ihrem Teil dazu beigetragen, das Los unserer tapferen Krieger zu erleichtern. –


Der eiserne Krieg hat bereits schon viele Opfer gefordert, wie mancher Krieger hat die Wahrheit des Soldatenliedes erfahren, in dem es heißt: „….. bleib du im ew`gen Leben, mein guter Kamerad.“ Die Lücken, die schmerzlich großen Verluste, müssen aber ausgeglichen werden, und dazu ist die deutsche Jugend da. Ihr fällt die Aufgabe zu, die Waffe zu ergreifen, die den Händen der deutschen Brüder entfallen ist. Freilich sind all die Jünglinge noch keine Soldaten. Wie aber die deutsche Eiche langsam aufwächst und allsdann knorrig und eisenhart den über sie dahinbrausenden Stürmen widersteht, so sollen auch unsere Jünglinge langsam zum Dienste für das Vaterland herangebildet werden.