Aus der Orts- und Schulchronik von Biskirchen
Oktober 1914

O bilden sich denn gegenwärtig in allen Städten und Dörfern Deutschlands Jugendwehren. Auch in unsrem Dorfe versammelten sich am 8. Oktober abends die Jünglinge von 16 – 20 Jahren, um zu einer Jugendwehr zusammenzutreten. Lehrer Renkhoff sprach zunächst über Zweck und Ziel der Jugendwehren und forderte dann die Anwesenden auf, beizutreten, pünktlich zu den Übungen zu erscheinen und die Sache als etwas Ernstes und Heiliges zu betrachten.
Vorsteher Knetsch übernahm sodann die Führung der hiesigen Jugendwehr, und die Übungen nahmen am darauffolgenden Sonntag ihren Anfang.


Am 9. Oktober 1914 wurde Friedrich Walter einberufen und bei der Garde Inf. in Berlin ausgebildet. Seit Februar 1915 vermißt.

Mit den Ernteerträgen konnten die Landleute in diesem Jahr recht zufrieden sein. Winter- und Sommerfrucht hatten reich geliefert, und auch die Kartoffelernte fällt gut aus. Die Obstergebnisse sind auch recht zufriedenstellend, namentlich gibt es viele Zwetschen. So blieben dann auch die Frucht- und Fleischpreise trotz des Krieges vorläufig noch normal. Ich kaufte mir ein Schlachtschwein und bezahlte für den Ltr. 68 M.


Am 30. Oktober 1914 wurde Karl Schäfer (Inf.Reg.Nr.88), Sohn von Georg Schäfer verwundet und kam in französische Gefangenschaft. Bei Sedan war er schon einmal verwundet worden und dann längere Zeit zu Hause gewesen, am 8. Oktober war er wieder eingerückt.

Den verwundeten Kriegern in Wetzlar machen unsre Kinder auch eine Weihnachtsfreude. Sie sammelten Gaben, und an der Sammelstelle in Wetzlar konnten abgeliefert werden: 9 Körbe Äpfel, 2 Pfd. Wurst, 10 Pfd. Nüsse, 1 Korb Konfekt, Tabak, Zigarren und Zigaretten, Zucker, gedörrtes Obst, Cacao, Himbeersaft und Pulswärmer.

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