Aus der Orts- und Schulchronik von Biskirchen
Februar 1915

Unsere Feinde bauen darauf, daß Deutschland trotz aller Waffenerfolge schließlich doch durch Nahrungsmangel zu einem ungünstigen Frieden gezwungen werden könne. Es ist die heilige vaterländische Pflicht der in der Heimat Zurückgebliebenen, diese Hoffnung zu vereiteln. Die Versorgung Deutschlands mit den wichtigsten Nahrungsmitteln bis zur nächsten Ernte ist gesichert, wenn sparsam mit den Vorräten umgegangen wird. Auch hier wurde in Vorträgen und in den Schulen mit Nachdruck darauf hingewiesen, mit den Nahrungsmitteln (namentlich mit dem tägl. Brot) hauszuhalten. Es wurden zu diesem Zwecke Brotkarten (im hiesigen Orte vom 13. Februar an) ausgegeben, damit keine Familie mehr Brot kaufen und essen kann, wie vorgeschrieben ist, nämlich für 1 Person täglich 250 Gramm.

Am Mittwoch, den 17. Februar kam die frohe Nachricht, daß die Russen in 9tägiger Schlacht in Masuren geschlagen wurden und 50000 Mann gefangen und 60 Maschinengewehre, 40 Geschütze und viel Kriegsmaterial von uns erbeutet worden sei. Die Glocken wurden geläutet, und bei allen Leuten herrschte frohe Stimmung.
Freitag, den 19. Februar wurde anläßlich dieses großen Sieges eine Feier in der Schule abgehalten.

Am Montag, den 22. Februar wurde um 5 Uhr bekannt, daß Hindenburg noch über 40000 Russen dazu gefangen genommen habe, sodaß die Zahl der Gefangenen 1000000 übersteigt. Diese neue Siegeskunde rief wieder großer Jubel bei den Ortseinwohnern hervor, auch läuteten die Siegesglocken wieder.

Nachtrag:
In der Zeit vom 18. bis 24. Januar 1915 war, unter wärmster Billigung Ihrer Majestät der Kaiserin, in ganz Deutschland eine Reichswollwoche abgehalten worden. Der Zweck dieser Reichswollwoche bestand darin, für unsere im Felde stehenden Truppen die in den deutschen Familien noch vorhandenen überflüssigen warmen Sachen und getragenen Kleidungsstücke (Herren- und Frauenkleidung, auch Unterkleidung) zu sammeln. Es sollten nicht nur wollene, sondern auch baumwollene Sachen, sowie Tuche eingesammelt werden, um daraus namentlich Überziehwesten, Unterjacken, Beinkleider, vor allem aber Decken anzufertigen. Auch in unserer Gemeinde war das Ergebnis der Sammlung ein überaus günstiges. Die Leute brachten alle Wollsachen, die sie nur entbehren konnten, und ein großer Wagen voll konnte nach Wetzlar an die Sammelstelle abgeliefert werden.

Im Monat Februar wurden die folgenden ungedienten Landsturmleute eingezogen:

  • 1. Heinrich Lotz
    am 1.2.15
  • 2. Albert Bremond
    am 3.2.15
  • 3. Rudolf Simon
    am 3.2.15
  • 4. Hermann Zutt
    am 3.2.15
  • 5. Jakob Bremond
    am 3.2.15
  • 6. Hermann Walter
    am 3.2.15
  • 7. Friedrich Knapp
    am 3.2.15
  • 8. Friedrich Grün
    am 4.2.15
  • 9. Adolf Ambrosius
    am 5.2.15
  • 10. Wilhelm Walter
    am 5.2.15
  • 11. Wilhelm Fischer, Sohn von Heinrich F.
    am 5.2.15
  • 12. Hermann Karl
    am 27.2.15