Aus der Orts- und Schulchronik von Biskirchen
September 1916

Mit dem Eisernen Kreuz II. Kl. wurde am 9. Sept. 1916 der Gefreite Otto Weber, Sohn von Jakob Weber ausgezeichnet.

Am 14. Sept. 1916 wurde mein Sohn Ernst Renkhoff (stud.theol.) einberufen. Er hatte am 1. März 1916 am Gymnasium zu Weilburg seine Reifeprüfung bestanden und studierte dann 1 Semester theol. in Marburg. In Orb-Wegscheide wurde er milit. ausgebildet und rückte später auf den westlichen Kriegsschauplatz ab.

Am 14. Sept. 1916 mußten sich ferner stellen:
Heinrich Nell, Sohn von Karl Nell und
August Fischer, Sohn von August Fischer.

Noch mehr wie im vorigen Jahr zeigt tief in diesem der Einfluß des Krieges auf allen Gebieten des Erwerbs. Da es an Arbeitskräften mangelte, so wurden für den Betrieb des Bergbaus, der Eisenwerke und Fabriken Gefangene herangezogen. Auch in der Landwirtschaft fanden sie Beschäftigung. Auf die Lebensmittelpreise übte der Krieg einen bedeutenden Einfluß aus. Das Pfund Butter kostete über 2 m. Die Preise für Fleisch, Eier, Milch und Käse siegen ebenfalls gewaltig. Im August wurde die Fleischkarte eingeführt. Das Pfund Fleisch kostete 2,20 M bis 2,50 M. Für Fett und Öl wurden sehr hohe Preise bezahlt, 1 Liter Speiseöl kostete 12 M. Um den Preistreibereien und dem Wucher Einhalt zu tun, setzte die Regierung Höchstpreise für die Lebensmittel fest. Doch wurden diese von den Reicheren (die sich Vorräte verschafften wollten) meistens überschritten.
Durch diese hohen Preise der Lebensmittel wurde die Lebenshaltung sehr teuer, und die Arbeitslöhne stiegen ganz gewaltig, man zahlte bis 1 M Stundenlohn.
Um dem Kupfermangel in der Kriegsindustrie abzuhelfen, wurden alle Kupferkessel und sonstigen Kupfergegenstände beschlagnahmt und gegen Bezahlung abgeliefert. Auch alles alte Nickel- und Zinnmetall wurde eingezogen. Da uns die Feinde jegliche Zufuhr abgeschnitten haben, so müssen wir mit unseren eigenen Stoffen zur Herstellung der Waffen und Munition auskommen.