Füsilier-Regt. Prinz Albrecht von Preußen Nr.73

Raphael Dattoli aus Attendorn stellt, als gewählter Unteroffizier der IG, das Füsilier-Regiment (1. hannoversches) Nr. 73 dar. Ein Hingucker bei jeder Veranstaltung ist sein am rechten Unterarm getragenes GIBRALTAR-Band.
Seine kernigen Aussprüche sind bereits in Deutschland, aber auch im benachbarten europäischen Ausland bekannt. Über den großen Teich ist ihm dieser zweifelhafte Ruhm ebenfalls schon vorausgeeilt, was zahlreiche Einladungen aus Amerika beweisen.
Ein weitere Kameraden, die in 2011 den Weg in dieses Regiment gefunden hat, ist Friedrich Keller.

Unteroffizier Datolli

Gefreiter Keller
Historie:

Stiftungstag: 27.09.1866 Standort: Hannover

Mitgemachte Schlachten

1870/71 gegen Frankreich:
  • 14.08.70Colombey-Nouilly
  • 18.08.70Gravelotte-St. Privat
  • 19.08.70 - 27.10.70Einschließung von Metz
  • 07.10.70Bellevue (III.)
  • 17.01.71Piémont (II. und III.)
  • 21.01.71am Ognon (II. und III.)
  • 23.01.71Quingey (II. und III.)
  • 25.01.71Vorges (5.Kp und III.)

Im Ersten Weltkrieg
ab Mobilmachung gemeinsam mit IR 74 in der 38. Infanterie-Brigade in der 19. Infanterie-Division
Gefechtskalender der 19. ID:

1914
  • 04.08.14 - 16.08.14Eroberung von Lüttich
  • 23.08.14 - 24.08.14Schlacht bei Namur
  • 29.08.14 - 30.08.14Schlacht bei St. Quentin
  • 06.09.14 - 09.09.14Schlacht am Petit-Morin
  • 12.09.14 - 13.09.14Kämpfe bei Reims
  • 13.09.14 - 25.04.15Schlacht an der Aisne

ab dem 25.03.1915 gemeinsam mit IR 76 und 164 in der 221. Infanterie-Brigade in der 111. Infanterie-Division
Gefechtskalender der 111.ID:

1915
  • 25.03.15 - 11.04.15Reserve der O.H.L.
  • 12.04.15 - 16.05.15Kämpfe zwischen Maas und Mosel
  • 24.04.15 - 07.05.15Gefechte bei Les Eparges
  • 03.05.15 - 13.05.15Kämpfe auf den Maashöhen zwischen Vaux les Palameix und Lamorville
  • 17.05.15 - 24.05.15Reserve der O.H.L.
  • 25.05.15 - 29.06.15Reserve der 6. Armee
  • 29.06.15 - 23.07.15Schlacht bei La Bassée und Arras
  • 24.07.15 - 24.09.15Stellungskämpfe in Flandern und Artois
  • 25.09.15 - 13.10.15Herbstschlacht bei La Bassée und Arras (Schlacht bei Loos und Hulluch)
  • 14.10.15 - 23.06.16Stellungskämpfe in Flandern und Artois

1916
  • 24.06.16 - 07.07.16Erkundigungs- und Demonstrationsgefechte der 6. Armee (im Zusammenhange mit der Schlacht an der Somme)
  • 07.07.16 - 24.08.16Stellungskämpfe in Flandern und Artois
  • 25.08.16 - 09.09.16Schlacht an der Somme
  • 10.09.16 - 27.10.16Stellungskämpfe zwischen Maas und Mosel
  • 15.09.16 - 27.10.16Kämpfe auf den Maashöhen im Abschnitt Loclont-Wald-Seuzey
  • 27.10.16 - 04.11.16Reserve der Heeresgruppe Rupprecht
  • 05.11.16 - 26.11.16Schlacht an der Somme
  • 27.11.16 - 15.03.17Stellungskämpfe an der Somme

1917
  • 16.03.17 - 08.04.17Kämpfe vor der Siegfriedstellung
  • 09.04.17 - 01.05.17Frühjahrsschlacht bei Arras 1917
  • 01.05.17 - 20.06.17Kämpfe vor der Siegfriedfront
  • 21.06.17 - 24.06.17Kämpfe in der Siegfriedstellung
  • 24.06.17 - 23.07.17Reserve der Heeresgruppe Rupprecht
  • 24.07.17 - 01.08.17Schlacht in Flandern
  • 04.08.17 - 16.10.17Kämpfe bei Remeneauville, Regniéville und Fey en Haye
  • 17.10.17 - 06.11.17Schlacht in Flandern
  • 07.11.17 - 31.01.18Kämpfe in der Siegfriedstellung

1918
  • 10.01.18 - 02.02.18Reserve der Heeresgruppe Rupprecht
  • 02.02.18 - 20.03.18Stellungskämpfe im Artois und Aufmarsch zur „Großen Schlacht in Frankreich“
  • 21.03.18 - 06.04.18Große Schlacht in Frankreich
  • 21.03.18 - 23.03.18Durchbruchsschlacht Monchy-Cambrai
  • 24.03.18 - 25.03.18Schlacht bei Bapaume
  • 07.04.18 - 19.08.18Kämpfe zwischen Arras und Albert
  • 15.07.18 - 28.07.18Gefecht bei Hébuterne
  • 19.08.18 - 24.08.18Reserve der Heeresgruppe Rupprecht
  • 26.08.18 - 02.09.18Schlacht bei Monchy-Bapaume
  • 03.09.18 - 04.09.18Kämpfe vor der Siegfriedfront (Kämpfe vor der Siegfriedstellung)
  • 04.09.18 - 07.09.18Reserve der Heeresgruppe Rupprecht
  • 07.09.18 - 11.10.18Kämpfe vor der Front Armentières-Lens
  • 11.10.18 - 04.11.18Kämpfe vor und in der Hermannstellung
  • 24.10.18 - 04.11.18Schlacht um Valenciennes
  • 05.11.18 - 11.11.18Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-Maas-Stellung
  • 12.11.18Räumung des besetzten Gebietes und Marsch in die Heimat
  • Eintreffen im Demobilmachungsort


Quellen: "In Stahlgewittern", Ernst Jünger und "Ruhmeshalle unserer Alten Armee"


Das Füsilier-Regiment „Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ (Hannoversches) Nr. 73 gilt nicht nur wegen seiner berühmten Soldaten im Ersten Weltkrieg (Ernst Jünger, Friedrich Georg Jünger und Hermann Löns) als renommierter Truppenteil, sondern auch wegen seiner bewegten Geschichte. Das Regiment führte sich auf die legendären „Gibraltar-Bataillone“ zurück, die 1775 für den englischen König George III. gemeinsam mit britischen Einheiten Gibraltar gegen französische und spanische Belagerungstruppen verteidigten. Der englische König war zu dieser Zeit zugleich Kurfürst von Hannover (die Personalunion von Kurhannover und Großbritannien hielt bis ins Jahr 1837) und hatte die Hauptmacht seiner Streitkräfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gebunden. Da Gibraltar nicht schutzlos den feindlichen Angriffen ausgesetzt bleiben durfte, griff der englische König auf seine hannoverschen Truppen zurück, die die Belagerung 1783 erfolgreich abschlugen. Als Dank und Anerkennung für diese militärische Leistung, erhielten die drei hannoverschen Bataillonen das blaue Ärmelband mit dem gewobenen „Gibraltar“-Schriftzug.

Die gemeinsame Geschichte englischer und deutscher Waffenbrüderschaft war hier aber noch nicht zu Ende. Als Napoleon 1803 die kurfürstlich-hannoversche Armee aufgelöste, ließ König Georg von England die einstigen hannoverschen Truppen für die neu gegründete leichte Infanterie-Einheit „The King’s German Legion“ anwerben, um erneut gegen französische Truppen kämpfen zu können. Somit bestand von 1803 bis 1815/16 ein deutscher Verband innerhalb der regulären englischen Truppen, die ab 1808 unter Wellingtons Kommando standen. Die „German Legion“ gilt damit als einziger deutscher militärischer Verband, der während der gesamten napoleonischen Besatzung gegen französische Truppen gekämpft hat. Nach dem Sieg über Napoleon wurde die deutsche Legion in englischen Diensten aufgelöst und ein Großteil ihrer verdienten Soldaten in die Armee des auf dem Wiener Kongress neu gegründeten Königreiches Hannover aufgenommen. Dort galten sie fortan als elitärer Verband, der sich besonders in der Schlacht von Waterloo hervorgetan hatte. Als Auszeichnung für ihre Tapferkeit, erhielt die hannoversche Truppe die Erlaubnis, auf den Helmen die Devise „Peninsula – Waterloo“ zu tragen, die auch noch auf den Pickelhauben des FR 73 zu sehen war.

Im Deutschen Krieg 1866 wurde das Königreich Hannover vom siegreichen Preußen annektiert, wodurch auch das ehemalige Garderegiment in die preußische Armee eingegliedert wurde. Ab 1867 trug es nun den Namen „Hannoversches Füsilier-Regiment Nr. 73“ und nahm 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teil. 1889 wurde die Truppe nochmals umbenannt, als Prinz Albrecht von Preußen zuvor Chef des Regiments geworden war. Die offizielle und endgültige Bezeichnung bis zur Auflösung war nun „Füsilier-Regiment Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) Nr. 73“. Als Garnison diente Hannover und als Stiftungstag wurde der 19. Dezember 1803 festgesetzt. 1901 erlaubte Kaiser Wilhelm II, dass die 73er in Anknüpfung an ihre welfischen Traditionen erneut das blaue Ärmelband „Gibraltar“ tragen durften. Es war das einzige Traditionsabzeichen dieser Art in der preußischen Armee vor 1918 und prägte die beliebte Bezeichnung „die Gibraltars“ für die Angehörigen des Regiments. Von französischer Seite erhielten die „Prinz Albrecht-Füsiliere“ den Namen „Les lions de Perthes“ (dt.: die Löwen von Perthes), was sich auf die Winter- und Abwehrschlacht bei Perthes-Tahure in der Champagne, von Ende Februar bis Anfang März 1915, bezog. Ernst Jünger schrieb hierzu in seinem Aufsatz „Zur Erinnerung an unseren Oberst von Oppen“ von 1921: „Tauchten wir an irgendeiner Stelle der Front auf, so erscholl es: Les Gibraltars, les lions de Perthes!“. (aus: Jünger, Ernst: Politische Publizistik, S. 20.) Der eigene Erkennungsruf bzw. Parole der 73er war „Lüttje Lage“ – ein im Raum Hannover beliebtes Getränk aus Bier und Kornbrand.

Als Teil der 2. Armee im X. Armeekorps nahm das FR 73 im Kriegsjahr 1914 am Vormarsch an die Marne teil, nachdem die Mobilmachung planmäßig vollzogen worden war. Das Regiment bestand zu Beginn aus 3 Bataillonen zu je 4 Kompanien und einer MG-Kompanie, d.h. 70 Offiziere und 2.850 Mannschaften. Der Regimentskommandeur hieß ab dem 31. August 1915 Oberstleutnant Gustav von Oppen. Er galt als fähiger militärischer Führer und war bei der Truppe beliebt. Das FR 73 wurde am 16. Dezember 1918 in Hannover demobilisiert und gemäß den Bestimmungen des Versailler-Vertrages im Mai 1920 für immer aufgelöst. Dennoch tauchten Reste des 73. Regiments in Freiwilligenformationen, den Freikorps, auf. Mitte Dezember 1918 stießen 73er zum Freikorps Alemann und Reichenbach und als Freiwilligen-Infanterie-Regiment zum Freiwilligen-Detachement Hasse.

Mit der Darstellung des FR 73 möchten wir schwerpunktmäßig das Gedenken an seine Gefallenen aufrechterhalten und ihre Geschichten weitertragen, damit sie nicht ungesehen im Dunkel der Geschichte versinken. Dabei liegt es uns nicht daran, Soldaten des FR 73 zu spielen, sondern vielmehr als eine Art lebendiges Museum einem historischen Bildungsanspruch nahezukommen und den uns auf Veranstaltungen begegnenden Menschen einen Impuls zu geben, um in der eigenen Familien- oder Regionalgeschichte nach den Spuren der Geschichte zu suchen.



Ausführliche Regimentsgeschichte:
Voigt, Hans: Geschichte des Füsilier-Regiment Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hann.) Nr. 73. Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918. Darstellungen der Kämpfe deutscher Truppen, Band 70. Verlag Bernhard & Graefe, 1938, Berlin.