Landwehr Infanterie-Regt. Nr.81
Unser Kamerad Mario Zutt aus Biskirchen/Lahn stellt einen Landwehrmann im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 81 dar:

"Um die Gefallenen, Vermissten und Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg meiner Heimatregion zu Ehren, habe ich mich für dieses Regiment entschieden. Meine Heimat, das Fürstentum Solms-Braunfels wurde bereits 1815 preußische Provinz und somit wurden die wehrpflichtigen Männer in das, seit 1871 so genannte, Infanterie-Regiment Nr. 81 (1. Kurhessisches) eingezogen. Als es 1914 zum Kriegsausbruch kam, mussten sich die älteren Reservisten (Landwehr II. Aufgebot) beim neu aufzustellenden LIR 81 melden. Mit diesen Männern, die im August 1914 ihre Familien verließen, um dem Gestellungs-befehl zu folgen, kann ich mich in meiner Darstellung identifizieren.

Zusätzlich bin ich auch einer der Ökonomiehandwerker (Kompanieschuster) unserer Interessengemeinschaft"


Historie:

Aufstellung ab dem 04. August 1914 in Frankfurt/ Main (XVIII. Armeekorps, Frankfurt/Main)
Aufgelöst im November 1918 nach Eintreffen in der Heimat

Die Regimentsgeschichte schreibt zu den Augusttagen 1914:
… Am 6. August trafen die Mannschaften ein. Gestellungsort war die Festhalle (in Frankfurt am Main). Ein Meer von Menschen wogte dort. Die meisten eingezogenen Wehrleute waren verheiratet und Frankfurter Bürger. Die Frauen hingen ihnen am Arm, den Blick voller Sorge. Die Kinder aber trippelten fröhlich und Jedes wollte des Vaters Bündel tragen.

Auf der Feste Kaiser Wilhelm II. in Mutzig:
… Da begann am Vormittag des 14. August – es war gegen 9 Uhr – der Schall dumpfer Donnerschläge von Südwesten heranzurollen. …
… Man vernahm Neues über die Lage. Der Feind habe über Saales gegen das Breuschtal dringend, einen erfolgreichen Vorstoß gemacht. Sogar Schirmeck sei bereits bedroht. Es lief der Befehl ein: „Das II. Bataillon hat unter Beschleunigung die Feste K.W. II. zu erreichen.“ Das lautete ernst und bedeutete nach einem tüchtigen Marsch. Aus der Schlucht am Scharrachberg bog das Bataillon südwärts, um über Sulzbad, Molsheim zum Ziele zu gelangen. Bei Sulzbad stockte der Marsch. Die Leute konnten in der Sonnenglut kaum weiter. Das sprengte Oberstleutnant Vogel (Regimentskommandeur) ungeduldig den Kompanien entgegen: „Vorwärts, vorwärts“ - rief er. „Hier stehen wir, und vorne bluten die Kameraden!“ Gewaltsam ging es weiter. Beim nächsten Halt wurde geladen und gesichert. Die Kolonnen hatten jetzt den Fuß des Gebirges erreicht. Da wo dasselbe zu einem weiten Tale auseinander weicht, bei Molsheim, bog man ein. Es war der Schalltrichter, aus dessen Tiefe immer vernehmlicher der Geschützdonner hervordrang. Die Mitte des Tales wird von der Breusch durchstossen, und weiter talaufwärts sieht man die Türme eines alten Städtchens. Es ist Mutzig. Rechts von Mutzig steigt als nördlicher Eckpfeiler des Talendes ein länglicher Buckel bis zu 382 m auf, unten rebenumwachsen, oben kahl. Auf ihm liegt die Feste Kaiser Wilhelm II. Straßburgs starker Schutz gegen Westen. Es griff das Gerücht um sich, eine französische Kavallerie-Division sei Breusch-abwärts vorgebrochen und habe sich vor Mutzig eingegraben. Alles befand sich in gespannter Erwartung. Man rang sich mühsam den steilen Weg zur Feste hinan; glaubte man doch nach jedem Schritt aufwärts, etwas vom Feinde in der Ferne zu erblicken. Die Augen bohrten sich in die Weiten des Breuschtales, doch nichts Auffälliges war zu sehen. Der letzte Rest der Kräfte wurde aufgeboten. Jetzt betrat man die Lücke eines Stacheldrahtverhaues; man befand sich im Bereiche von Feste K. W. II.

Um 5 Uhr hatte sich das Artilleriefeuer beruhigt, es beruhigen sich die fantastischen Gerüchte, und die Ruhe der Erschöpfung kam über die Leute. Das II. Bataillon biwakierte auf der Feste.
Es war das erste und auch das letzte Mal, dass die mitgenommene Zeltausrüstung in ihrer ursprünglichen Bestimmung verwendet wurde….
Von Feste K. W. II. rückten am nächsten Tage zwei Kompanien zum Schanzen nach der Dangolsheimer Höhe.
Das I. Bataillon hatte die Nacht in Sulzbad, das III. Bataillon in Dahlenheim in Alarm-Quartieren zugebracht.
Am 20. August kam Befehl, das Regiment habe zum Ausbau der Breuschstellung und zur Sicherung der Breuschkanalübergänge abzurücken. …



Schlachten und Ehrentage des Regimentes:
  • 22.08.14 - 14.09.14Schlacht bei Nancy-Epinal
  • 17.09.14 - 21.12.15Stellungskämpfe in den mittleren Vogesen
  • 15.09.14 - 22.09.14Gefecht bei Celles
  • 31.10.14 - 03.11.14Gefecht am Bernhardstein
  • 18.02.15 - 19.02.15Erstürmung der Höhe 600 südlich Lusse
  • 27.02.15 - 20.10.16Kämpfe zwischen Maas und Mosel
  • 28.02.16Schlacht bei Verdun, Gefecht bei Ronvaux-Haudiomont-Manheulles
  • 29.02.16 - 24.03.16Bei Ronvaux-Haudiomont
  • 25.03.16 - 24.04.16Bei Manheulles
  • 25.04.16 - 31.07.16Bei Ronvaux-Haudiomont
  • 01.08.16 - 23.09.16Bei Ronvaux-Fresnes-Champlon
  • 24.09.16 - 27.09.16Bei Ronvaux-Haudiomont
  • 28.09.16 - 07.10.16Bei Fey
  • 08.10.16 - 20.10.16Bei Ronvaux-Haudiomont
  • 21.10.16 - 16.04.17Bei Flirey
  • 17.04.17 - 24.04.17Bei Fey und im Priesterwald
  • 25.04.17 - 20.10.17Stellungskämpfe in Lothringen (zwischen Maas und Mosel, im Priesterwalde und Norroy)
  • 20.10.17 - 11.11.18Stellungskämpfe im Oberelsaß

Quellenangabe: „Das Landwehr-Infanterie-Regiment 81 im Großen Kriege. Sein Leben und Kämpfen.“ Dr. med. Fritz Sames, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O., 1928