Soldatenschicksal: Friedrich Christian Bremond

„Das Schatzkästchen“ oder "Ein Gefallener erzählt seine eigene Geschichte"

(von Mario Zutt, 2007)

Aufgrund meiner Recherchen zur Geschichte der Biskirchener Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges bekam ich den Hinweis: „… besuche doch mal Jürgen Düllmann aus Tiefenbach…“. Also rief ich kurzer Hand dort an und vereinbarte einen Besuchstermin.

Nachdem Herr Düllmann mir ein wunderschönes Großportrait seines Großvaters in Uniform zeigte, fragte ich ihn, ob er nicht den einen oder anderen Brief aus der Zeit des ersten Weltkrieges von seinem Großvater hätte. Nun bekam ich nun zum erstenmal das „Schatzkästchen“ zu Gesicht. Eine große blecherne Kiste (in so einer Kiste hatte meine Großmutter immer ihre Weihnachtsplätzchen) voll mit Fotos, Briefen und 2 Pfeifenköpfen aus Porzellan.

Aus der Sichtung, Übersetzung, Erinnerungen von Herrn Düllmann und weiteren Recherchen entstand das folgende Bild des militärischen Werdegangs von einem „unserer“ Gefallenen.

Herr Düllmann ist der Enkel des Biskircheners Friedrich Christian Bremond, der am 14.10.1878 in Biskirchen, (heutige Weilburger Straße 2, das Haus wurde 1972 abgerissen) geboren wurde. Friedrich Christian, auch Fritz genannt, war das Kind der Eheleute Heinrich und Elisabeth Bremond, geborene Almenröder und ging laut des, noch vorhandenen, Schulentlassungs-Zeugnisses mit Datum 09. April 1892 „regelmäßig“ von Ostern 1884 bis zum 10.April 1892 bei Herrn Lehrer Valentin in den Schulunterricht, der ihn als einen „guten“ Schüler benotete.

Nach seiner Schulzeit erlernte er das Maurerhandwerk, welches er beim späteren Hausbau 1911 in der Alten Hofstraße 16 in Tiefenbach gut anwenden konnte.

Wo er als Maurer arbeitete, konnte ich leider bisher noch nicht erforschen, wohl aber dass er von 1897-1899 seinen damals 2-jährigen Wehrdienst ableistete, was bedeutete, dass er zu den 1/3 glücklichen männlichen Deutschen gehörte, die dienen „durften“. Wahrscheinlich war dies auch das erste Mal, dass er über die bisherigen Grenzen hinweg mit dem Zug, sicherlich von Stockhausen über Wetzlar und Gießen, nach Frankfurt fuhr um sich beim Infanterie-Regiment 81 in der Gutleutkaserne zu melden. Somit gehörte er zu den Soldaten, die von den Frankfurtern liebevoll „Bretzelfresser“ genannt wurden.

Nach Beurlaubung zur Reserve im Jahre 1899 arbeitete er sicher wieder als Maurer und lernte alsbald Charlotte Neu kennen, die er heiratete und ins Haus der Schwiegereltern nach Tiefenbach zog. Tochter Minna erblickte 1906 das Licht der Welt und war Friedrich Christians ganzes Glück, welches sich als nahezu vollkommen zeigte als sie 1911 gemeinsam als Familie ins eigens erbaute Haus in der Alten Hofstraße 16 zogen.

Düstere Wolken zogen erst auf, als mitten in einem wunderschönen warmen Sommer 1914 die Mobilmachung ausgerufen wurde und auch Friedrich Christian seinen Gestellungsbefehl bekam. Getreu wie viele seiner Landsleute ging er mit Hurra in den Krieg.

Die weiteren Ereignisse beschreibt Friedrich Christian Bremond nahezu selbst in seinen zahllosen Briefen an seine Frau und anhand seines Tagebuches, welches er täglich führte:

Als erstes wurde er nach Wetzlar gerufen, leider kann ich nur vermuten, dass er in das dortige Bezirkskommando Wetzlar kam, denn auf seiner Postkarte vom 18. August 1914 schreibt er an Frau und Kind:

„..teile Dir mit, dass wir in Wetzlar einquartiert sind. Wir bleiben 4 bis 6 Wochen hier. …ziehen wir auf Wache …. und Gefangenentransport … Es ist möglich, dass wir morgen Nachmittag um 4 Uhr wieder nach Stockhausen auf Wache kommen. Ich habe ein gutes Quartier in der Langgasse. Sonst neues weiß ich Dir noch nichts zu berichten alles andere mündlich …“

Anmerkung:

Sicherlich haben sich Fritz, Charlotte und Minna während Fritz’s Wache in Stockhausen getroffen.

Bis zum 15.09. befand sich Friedrich Christian noch in Wetzlar, vermutete aber, dass er „aufgrund der Kriegsereignisse wohl nach Haiger oder Dillenburg versetzt wird, da der Landsturm II (Aufgebot) nach Wetzlar eingerückt ist“.

Am 17.09. um 7.25 abends ging der Zug von Wetzlar (schlechtes Wetter) dann Richtung Westen, Ziel Guntersblum bei Worms. Friedrich hoffte, dass der Zug über Limburg fuhr, um Charlotte nochmals sehen zu können.

Tagebuchauszug

18.9.

Um 7.25 fuhren wir von Wetzlar ab nach Gießen. Um 8 Uhr kamen wir in Gießen an und bekamen Abendessen. Um 9 Uhr gings weiter nach Frankfurt wo wir um 12 ½ Uhr ankamen, unterwegs in Friedberg bekamen wir Kaffee und Brot. Um 1 Uhr fuhren wir von Frankfurt ab nach Guntersblum, wo wir um ½ 5 Uhr ankamen.

Feldpost

Von seiner Ankunft in Guntersblum am 18.09., um ½ 5 Uhr morgens berichtet er von der Unterbringung in Bürger-Quartieren und dass sonst keine Bekannten aus Tiefenbach, wohl aber aus Leun, Burgsolms, Albshausen usw. in seiner Compagnie sind.

Bereits einen Tag später ging es nach Mainz und über Bischofsheim nach Worms, wobei er folgendes an seine Frau Charlotte schrieb: „… in Bischofsheim haben wir um ½ 3 Uhr Kaffee getrunken, wenn es so weiter geht, dann tun wir nichts als essen und trinken. Soeben erhielten wir die Nachricht es seien vor Paris 110 Tausend Gefangene gemacht worden.“

„Guntersblum, den 21.09.1914

…. In Mainz werden wir zu einer Landwehrbrigade zusammengestellt, wo es von da hin geht, weiß ich nicht. So schlimm kann es nicht werden, denn wir behalten doch unsere blaue Uniform…. Gestern hatten wir einen Ausflug über den Rhein gemacht, wo wir bei einem Glas Wein (unleserlich) Gesellschaft hatten…“

Anmerkung:

Entgegen anderslautenden Meinungen war Deutschland keineswegs für den Kriegsausbruch 1914 bereit, die Soldaten konnten nicht alle in das damals gebräuchliche „feldgrau“ eingekleidet werden und hatten auch nach Kriegsausbruch nur die „blaue“ Friedensuniform zur Verfügung.

„Guntersblum, den 22.09.1914

… ich schicke Dir meine übrigen Kleider nach Hause. …wir haben soviel zu tragen, dass wir bald zusammenbrechen.

Tagebuchauszug

Am 22. fuhren wir von Guntersblum nach Mainz, wo wie um 7 Uhr ankamen. Wir lagen auf dem Kasernenhof bis 10 Uhr, alsdann wurden wir im Exerzierhaus untergebracht.

 

Feldpost

Am 23.09. schreibt Fritz endlich seine Adresse an seine Frau: Er wird der 2. Kompanie des Landwehr-Brigade Ersatzbataillon Nr. 41, 21. Division, XVIII. AK zugeteilt.

Am 28.09.1914 um 10 Uhr abends fuhr der Zug gen Osten, Marschziel Tzentzschau in Russisch-Polen, insgesamt 3 Tage und 4 Nächte.

Anmerkung: Die Russen waren bereits im August unerwarteter weise für die Oberste Deutsche Heeresleitung in Deutschlands Osten eingebrochen und nach der Schlacht bei Tannenberg wurden alle verfügbaren Truppen schnellstens nach Osten zur Abwehr weiterer Angriffe eingesetzt.

Tagebuchauszug

Am 28. 9. wurden wir in Mainz mit Munition versehen und um 10 Uhr Abends verladen. Es ging über Frankfurt, Hanau, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten. Wir fuhren über Fulda – Bebra – Eisenach –Gotha – Erfurt, wo wir um 4 Uhr mittags ankamen. Um ¾ 6 Uhr kamen wir in Apolda an, wo wir unser Nachtessen bekamen. Wir fuhren durch Brandenburg, Schlesien.

Feldpost

Am 29.09., ½ 10 Uhr morgens in Bebra 1 Stunde Aufenthalt, Hanau am gleichen Tag, 2 Uhr nachts, Cottbus, 30.09., 7 Uhr morgens, Liegnitz, 30.09., 4 Uhr Nachmittag, Simianowitz, 01.10., 8 Uhr vormittags

„… Heute Morgen um 7 Uhr überschritten wir mit Hurra die Grenze. Es sieht sehr öde und traurig aus …“

Tagebuchauszug

Am 1. Oktober um 7 Uhr Vormittags überschritten wir die Grenze. Um 3 Uhr Mittags luden wir unsere Gewehre, da Kosacken gemeldet wurden. Die Nacht verlief ruhig, am 2. Abend kochten wir unseren Kaffee, und am Mittag kochten wir ein geschlachtetes Kalb. Alsdann fuhren wir 8 Stationen weiter und übernachteten wieder im Eisenbahnwagen.

Feldpost

3.10. Marseln am Bahnhof, Schneeschauer

Es ist auch hier eine sehr arme Gegend. Verzeihe meiner schlechten Schrift, aber ich habe kalte Finger.

Tagebuchauszug

Am 3. Oktober machten wir wieder Kaffee und blieben noch bis Mittag liegen, als wir dann abgekocht hatten, marschierten wir 8 Kilometer weiter nach Mocheln, wo wir in einem Kloster einquartiert wurden. Unterwegs begegneten uns zahlreiche Verwundete welche vom Schlachtfeld zurückkamen.

Am 4. Okt. um ½ 6 Uhr marschierten wir wieder ab nach Wolgischtoauw, wo wir nachmittags um 4 Uhr ankamen. Wir wurden dort in einer jüdischen Synagoge einquartiert wurden schon um 6 Uhr wieder aus der Synagoge herausgeholt und in Bürgerquartiere untergebracht. Wir hatten 25 km gelaufen. Als wir am anderen Morgen antraten, hatten uns 1 Russe 2 Pferde gestohlen. Der 3. Zug von unserer Komp. Ging auf die Suche und kam am Mittag wieder zurück und hatten die Pferde wieder mit dem Dieb eingefangen. Er wurde an den Packagewagen angebunden und mitgenommen.

Am 5. Okt. liefen wir nur 15 km.

Am 8. Oktober liefen wir wieder weiter nach Lhazing wo wir um 5 Uhr ankamen und um 7 Uhr gleich auf Wache gingen.

Wir begehen am 9. 10. die Wache an der Eisenbahnbrücke.

Feldpost

Lzanzing, 10.10.1914

Ich habe schon mindestens 10 – 15 Karten nach Haus geschickt, aber von Euch noch nichts erhalten, als wie in Mainz eine Karte. Wir sind jetzt ungefähr 170 – 180 km über die Grenze in der Richtung nach Warschau. Wie geht es Euch zu Haus.

Wir sind hier als Etappentruppen ungefähr 120 km hinter der Schlachtlinie. Wir haben sonst noch keine russischen Soldaten gesehen außer Gefangenen. Wir haben jetzt hier einen Bahnhof besetzt, wo wir vorläufig noch einige Tage liegen bleiben. Es geht mir sonst noch gut, nur ist es hier schon ziemlich kalt, wir hatten schon mehrmals Eis. Auch ist es hier mit Lebensmittel schlecht bestellt. Es ist nichts zu bekommen. Was die Kosacken übrig gelassen haben, das haben die Österreicher und unsere Truppen weggenommen, da müssen wir nehmen was übrig bleibt. Tabak gibt’s überhaupt nicht hier. Ich habe jetzt schon 2 Tage keinen Tabak, da habe ich schon Kartoffelkraut geraucht. Wenn du so gut sein willst, so schicke mir gleich .... ½ Pfund Tabak als Feldpostbrief. Ich werde dir sehr dankbar dafür sein. Wir würden hier gerne für das Pfund Tabak 3 M bezahlen, wenn es nur zu bekommen wäre. Ich will dir den Tabak gern bezahlen wenn ich nach Haus komme. Liebe Frau wenn du mir ½ Pfund Tabak schickst, ist mir lieber, als wie 50 M. Das Geld hat bei uns keinen Wert. Wir können ja doch nichts kaufen, weil nichts da ist.

Liebe Frau, wir sind in der Hoffnung, dass der Krieg bald fertig ist. Hier in Russland machen unsere Truppen große Fortschritte, sind schon vorgedrungen bis nach Warschau. Die liefern täglich zahlreiche Gefangene zurück. Und in Frankreich geht es auch gut wie wir soeben erfahren haben, ist Antwerpen gefallen mit vielen Gefangenen. Und Paris habe nur noch 4 Tage Bedenkzeit erhalten. Wenn es so weiter geht, dann muß es bald zu Ende sein mit dieser Bande.

Liebe Frau jetzt sehe ich erst, wie gut, wir es zu Hause hatten, jetzt essen wir gerne trocken Brot und schwarzen Kaffee, wenn wir ihn nur bekommen könnten.

Ich habe jetzt in 3 Wochen die Kleider noch nicht vom Leibe bekommen. Wir haben hier täglich 20 – 25 km laufen müssen, weil die Ortschaften soweit auseinander liegen.

Liebe Frau sonstige Neuigkeiten weiß ich dir keine zu schreiben. Wie geht es dir und meiner kleinen Minna. Schreibe bitte gleich und schicke mir ½ Pfund Tabak.

Meine Adresse weißt du ja nicht

An Wehrmann Bremond, 2. Comp.Landwehr Inf.Brig. Ersatz Btl. 41

Ich will schließen mit vielen Grüßen in der Hoffnung, dass dich dieser Brief so gesund antrifft wie er mich verläßt. Schreibe mir Wilhelm seine Adresse

Tagebuchauszug

Am 10. morgens ½ 7 Uhr brennt unser Zelt nieder. Hier blieben wir nun auf Bahnwache bis zum 16.10.14. Um 8.30 Uhr marschierten wir hier nach Kielce, wo wir um 4 Uhr nachmittags ankamen. Hier wurden wir in einer russischen Kaserne untergebracht. Wir mussten erst sämtliche Stuben, welche wir beziehen wollten, reinigen.

Am 17. abends brachten wir unserem Major ein Ständchen, welcher an diesem Tage seinen Geburtstag hatte.

Am 18.10.14 mittags zogen wir auf Wache nach Damaskowitz, wir marschierten um ½ 12 Uhr ab und kamen auf vielen Umwegen um 4 Uhr an. Unsere erste Arbeit war, dass wir uns 40 Liter Bier holten, und am 19.10 morgens gings an die Arbeit. Wir holten uns einige Bauern, welche Steine fuhren und die Löcher in den Wagen ausfüllten.

Anmerkung:

Die Feldpost leistete in der Zeit der Ersten Weltkrieges Unglaubliches. Die deutsche Post beförderte während des Krieges pro Tag im Durchschnitt etwa 16,7 Millionen Feldpostkarten, Briefe und Pakete von der Heimat sowie in umgekehrter Richtung. Leider führten Verzögerungen und massenhafter Verlust von Postsendungen immer wieder zu Unmut und Verbitterung bei Soldaten und Angehörigen.

Feldpost

Kielce, den 19.10.14

Noch einmal ergreife ich die Feder, um Dir einige Zeilen zu schreiben. Es sind jetzt schon Wochen dass ich überhaupt keine Nachricht von Dir bekommen habe. Wenn Du mir nicht mehr schreiben willst, so will ich dann die Schreiberei auch einstellen.

Du wirst Dir denken können, wie es mir zu Mute ist, wenn alle Kameraden Postsachen bekommen nur ich nicht. Drum sei so gut und schreibe mir wie es Euch noch geht, ob Ihr überhaupt noch am Leben seid.

Hast Du jetzt schon Unterstützung erhalten, oder nicht, wenn Du kein Geld mehr hast so schreibe es mir sofort.

Liebe Frau, wir liegen jetzt seit 8 Tagen hier in Kielce, hier kann man alles kaufen, wie auch zu Haus, nur keine Tabak. Sei so gut und schicke mir ½ Pfund als Feldpostbrief. 1 Zigarre welche bei uns 6 RM kostet, diese kosten hier 20 RM.

Liebe Frau ich will schließen in der Hoffnung, dass Dich diese Karte so gesund antrifft, wie sie mich verlässt.

Herzliche Grüße D. F. Bremond

Was macht meine kleine Minna

 

Tagebuchauszug

Am 20. marschierten wir um 12 Uhr ab nach Mainow, wo wir um 7 Uhr ankamen.

Am 21. morgens um 8 ½ Uhr marschierten wir wieder ab nach Konski, wo wir abends um 6 Uhr ankamen.

Am 22.10. wurde ich auf das AOK als Ordonanz abkommandiert, wo ich bis zum … blieb. Hier hatte ich Gelegenheit, Seine Excellenz von Hindenburg und seine königliche Hoheit Prinz Joachim zu sehen.

 

Anmerkung:

Die tägliche Ausgabe der Post bildete für die Soldaten des Ersten Weltkrieges einen emotionalen Höhepunkt im schreckens- und entbehrungsreichen einerlei des Frontalltags.

Feldpost

Kielce, den 22.10.14

Gestern Abend erhielt ich nach langem Warten die erste Nachricht von Dir. Ich erhielt 1 Paket Tabak, 1 Paket mit Schokolade und 1 Karte, wofür ich Dir herzlich danke. Du hast mich gut bedacht, nur an meinen Geburtstag hast Du nicht gedacht. Du schreibst Du wolltest mir Hemden und Strümpfe schicken, dieses ist unnötig. Du brauchst mir weiter nichts zu schicken als jede Woche 1 Paket Tabak, am besten in einem kleinen Säckchen, das Papier geht zu leicht gerissen. Von den Briefen und Karten, welche Du mir geschrieben haben willst, habe ich noch keine erhalten.

Feldpost

Kondki, den 23.10.14

Ich ergreife die Feder um Euch einige Zeilen zu schreiben. Vorgestern erhielt ich nach langem Sehnen die erste Nachricht von Euch. Ich war ganz erstaunt, als ich zwei Pakete zugleich erhielt. Ich erhielt 1 Paket Tabak und 1 Paket mit Schokolade. Ich danke Dir vieltausendmal für diese kostbaren Geschenke und werde alles wieder gut machen, wenn mich der liebe Gott wieder gesund in die Heimat befördert.

Wie Du schreibst, willst Du mir Hemden und Strümpfe schicken, dieses tue nicht, denn ich gebrauche sie nicht. Schicke mir lieber jede Woche 1 Paket mit Tabak, weiter brauchst Du mir nichts zu schicken.

Liebe Frau, sonst geht es mir sehr gut, wir rücken jeden Tag näher nach Warschau, sind aber immer noch ein schönes Stück davon.

Liebe Frau wie geht es Euch sonst noch, seid Ihr noch alle gesund. Hast Du die Kartoffeln alle aus und wie geht es mit der Arbeit. Du wirst Dich schön abquälen können, bis Du die Kartoffeln im Keller hast.

Was macht unser Schlachtschwein, verkaufe es vorläufig nicht, wenn ich mit Gottes Hülfe wieder gesund nach Hause komme, so können wir noch darüber entscheiden.

Liebe Frau, wenn Du noch kein Geld von der Gemeinde-Kasse bekommen hast, so teile es mir mit, damit ich das nötige veranlassen kann.

Wie geht es Deinen und meinen Eltern, sind sie noch alle gesund.

Liebe Frau, Du schreibst, Du hättest mir Karten und Briefe geschrieben, worauf ich nicht geantwortet hätte. Ich habe nur in Mainz 1 Karte und dann am 20.10.14 1 Karte und 2 Paketchen erhalten, sonst noch nichts.

Du solltest mir doch auch die Adresse von Deinem Bruder Wilhelm schreiben, damit ich ihm einmal schreiben kann.

Liebe Frau, wie sehne ich mich nach Euch, ich wollte ich könnte wieder bei Euch sein.

Wir wollen auf Gott vertrauen, so wird die Sache wieder gut werden.

 

Feldpost

Kondki, den 24.10.14

Ich schicke dir diese Karte welche mir heute Morgen der Adugdant von Hindenburg schenkte. Ich bin seit 3 Tagen beim Generalstab als ..... ?...

Tagebuchauszug

Am 28. marschierten wir nach Jakonowitzki.

Am 29. marschierten wir auf Kratoschau.

Am 30. marschierten wir nach Wlotgau, wo wir um 12 Uhr ankamen und abkochten.

Am 31. marschierten wir Zusekenz.

Am 1. marschierten wir nach Bradlau am 2. bis Ilitza.

Feldpost von Charlotte Bremond

Tiefenbach, den 3. Nov. 1914

Lieber Fritz

Hast Du sonst nichts erhalten, wie eine Karte und 2 Paketchen. Denn ich schreibe doch alle 2 Tage und schicke dir auch jede Woche ein Paket mit Tabak und ein Paket mit sonst was. Du wirst hoffentlich noch alles erhalten.

Wie geht es Dir, hoffentlich bist Du noch gesund.

Herzlichen Gruß von deiner lieben Frau und Kind

Tagebuchauszug

Am 3. marschierten Rabtzin.

Am 4. und 5. blieben wir hier auf Wache.

Feldpost

Wolbrom, den 6.11.14

Ich ergreife die Feder um dir einige Zeilen zu schreiben. Der gestrige Tag war wieder für unser Krieg ein Freudentag. Als wir gestern nach 8tägigem Marsch nach Wolbrom kamen, war die Post für uns da. Es erhielt fast Mann für Mann Pakete und einige Briefe und Karten.  Ich erhielt 2 Pakete mit Tabak und 2 Briefe und Karte. Wie du schreibst hast du mir schon 9 Pakete und viele Briefe und Karten geschickt. Welche ich aber nur zum Teil erhalten habe.

Nun will ich dir mitteilen, was ich alles erhalten habe. Ich habe erhalten am 19.10. 1 Paket mit Tabak und 1 mit Schokolade und gestern am 5.11. 2 Pakete mit Tabak, 2 Briefe und 3 Karten, weiter habe ich noch nichts von dir erhalten. Sei doch so gut und behalte deine Esswaren zu Hause und esse sie selbst, denn wir bekommen ja doch nichts.

Liebe Frau verzeihe mir wenn ich in 8 Tagen nicht geschrieben habe, denn wir hatten 8 Marschtage hintereinander und da hatten wir keine Zeit zum schreiben, und auch keine Gelegenheit, dass wir einen Brief zur Post bekommen konnten. Hier sind wir jetzt 2 Tage, wie lange wir hier bleiben wissen wir nicht.

Du schreibst, du hättest mir Ohrenschützer und Pulswärmer geschickt, dieses ist unnötig. Ich habe 2 Ohrenschützer und 2 paar Pulswärmer.

Liebe Frau mache dir keine Gedanken um mich, mir geht es noch gut, welches ich auch von euch hoffe. Das Wetter ist jetzt ziemlich rauh und kalt, der Wind bläst durch alle Fugen. Von den russischen Zuständen hier kannst du dir keinen Begriff machen, Straßen sind wenige oder keine vorhanden, und wo welche sind, liegt der Schmutz 1 Fuß hoch, dass es unmöglich ist, durchzukommen. Wie es in den Wohnungen aussieht, kann man nicht beschreiben, Elend und nochmals Elend.

Liebe Frau sei so gut und schicke mir sonst überhaupt nichts mehr, als zeitweise 1 kleines Paket mit Tabak, die anderen Sachen behalte du zu Hause, sie werden entweder gefressen oder gehen verloren, die Feldpost versagt vollständig.

Liebe Frau teile mir doch mit, was dein Bruder Wilhelm macht und schreibe mir seine Adresse, damit ich ihm einmal schreiben kann. Ich möchte gerne einmal wissen, wie es in Frankreich aussieht. Ist denn Wilhelm Weil in Frankreich, oder wo ist er. Ich habe hier ziemlich Bekannte bei mir von Leun, Burgsolms, Ulm usw. Wie geht es noch zu Hause, sind deine und meine Eltern und Geschwister noch alle gesund. Ich habe deinem Bruder Heinrich eine Karte geschrieben, habe aber noch keine Antwort von ihm erhalten. Du beklagst dich über das wenige schreiben, ich habe aber doch fast täglich geschrieben, außer den letzten 8 Tage, wo ich keine Gelegenheit hatte.

Meine Adresse ist immer noch dieselbe:

Wehrmann Bremond 2. Comp. LandwehrErsatz Batallion Nr. 41, LandwehrErsatz Regiment Nr. 4, LandwehrErsatz Brigade Nr. 1, Etappen Inspektion der 9. Armee, Russland.

Genauer kann ich dir die Adresse nicht angeben. Schreibe mir zeitlich1 Karte oder Brief, du kannst dir nicht denken, welche Freude mir ein Brief oder Karte macht, wenn man mitten in Feindesland etwas von der Heimat erfährt. Nun will ich schließen mit vielen Grüßen an alle Freunde und Bekannte die nach mir fragen. Unter vielen Grüßen verbleibe ich dein treu liebender F. Bremond. Viele Grüße an meine kleine Minna. Ich habe mich sehr über seinen geschriebenen Gruß gefreut.

Auf Wiedersehen.

Tagebuchauszug

Am 6. abends um 7 Uhr fuhren wir per Bahn nach Kattowitz, wo wir am 7. mittags um 11 Uhr in Bürgerquartiere untergebracht wurden.

Feldpost

Zalinga, den 8. November 1914

Ich ergreife das Blei um Euch einige Zeilen zu schreiben. Heute haben wir auch Sonntag, und haben einen freudigen Tag, wie wir noch wenige erlebt haben. Heute Morgen war der erste Dienst Liebesgaben zu empfangen. Ich erhielt eine Unterhose und einige Zigarren. Am Mittag wurde Post ausgegeben wobei ich 5 Pakete 5 Briefe und 1 Karte erhielt. Ich war überglücklich als ich 5 Briefe lesen konnte, alle von deiner lieben Hand geschrieben. Und die Pakete, welche Freude. 1 großes Paket mit Schinken und Wurst, 2 kleine Pakete mit Fleisch, und 1 mit Tabak. Ich danke dir tausendmal für alle die lieben Sachen, wenn Gott will und ich wieder gesund in die Heimat zurückkomme, werde ich dir es tausendmal belohnen.

Auf dem großen Paket hast du 2. Comp. vergessen. es war zufällig ein guter Freund von mir mit auf dem Batallionsbüro zum Postholen. Du musst immer 2. Comp. dabeischreiben, dann kommen die Sachen auch an. Wie ich aus deinem lieben Brief erfahren habe, hätte der Kriegerverein für mich Sachen abgeschickt, ich habe bis jetzt noch nichts davon erhalten, hoffentlich kommt es noch. Du brauchst mir eher keine Esswaren zu schicken, bis ich dir darum schreibe. Schicke mir alle Woche nur ½ Pfund Tabak, weiter brauchst du mir vorläufig nichts zu schicken, nur Briefe und abermals Briefe, ich möchte am liebsten jeden Tag wissen, wie es Euch geht.

Liebe Frau mir geht es Gott sei Dank bis jetzt noch sehr gut, nur bin ich durch die strammen Strapazen und die magere Kost, die wir hier haben, etwas mager geworden, dieses hole ich wenn ich wieder bei dir zu Hause bin nach. Liebe Frau, wie freute ich mich über die paar Zeilen, welche mir kleines liebes Minnachen geschrieben hat. Es will mir ein Bett schicken, welches ich gut gebrauchen könnte, denn ich habe am 22. Sept. in Guntersblum das letzte Bett gesehen. Dieses macht aber nichts, der gute Humor bei uns geht nicht verloren. Liebe Frau, wie du mir schreibst, ist Weil in Frankreich, schicke mir doch einmal seine Adresse. Wie ich aus deinem lieben Brief ersehen habe, ist Möglich und Pf. Zipp verwundet, hoffentlich doch nicht schwer. Schreibe mir doch einmal wie es eurem Wilhelm geht, und schicke mir seine Adresse. Dass Walter August gefallen ist wird Walter auch sehr leid tun, es ist aber noch nicht so schlimm, als wenn ein Familienvater von mehreren Kindern das Los trifft. Außerdem gibt’s für einen Junggesellen kein schöneren Tod als auf dem Schlachtfelde zu sterben. Liebe Frau, wie geht es dir noch, bist du noch gesund, mache dir keine unnötigen Gedanken um mich, wie es unser Herrgott bestimmt hat, wird es doch hoffentlich werden. Wir fügen uns wieder gesund zusammen, aber dann! Welch ein Wiedersehen! Ich will nun schließen mit vielen Grüßen in der Hoffnung, dass dich dieser Brief so gesund antrifft, wie er mich verlässt. Unter vielen Grüßen verbleibe ich dein treu liebender F. Bremond.

Viele Grüße an Eltern und Geschwister und an meine kleine Minna.

Auf Wiedersehen in der Heimat!

Feldpostkarte abgestempelt Zalenze, Kr. Kattowitz 9.11.14

Fräulein Minna Bremond

z. Adr. Frau Bremond

in Tiefenbach, Kreis Wetzlar

Mein liebes kleines Minnachen,

die herzlichsten Grüßen von hier sendet Dir Dein Papa. Viele Grüße an Deine liebe Mamma und Großeltern. Sonst geht es mir noch sehr gut.

Auf Wiedersehen.

Tagebuchauszug

Am 13. abends 8 Uhr fuhren wir hier ab nach Schildberg, wo wir am 16. morgens 8 Uhr ankamen. Um3 Uhr mittags überschritten wir zum 2. Mal die Grenze. Wir kamen abends um 5 Uhr ins Quartier.

Am 17. 11. marschierten wir bi 12 Uhr mittags bis nach Waski.

Am 19.11. machten wir um 6.30 Uhr ab nach Schirraffe, wo wir um 1 ½ Uhr ankamen, und wurden in einem Gefängnis untergebracht.

Am 20. um 11.15 Uhr marschierten wir ab nach dem Schlachtfeld, wo wir um 3.30 Uhr die Feuertaufe erhielten.

Wir blieben in der Schützenlinie liegen bis ½ 5 Uhr morgens, dann gings ins Quartier bis 8 Uhr, alsdann ging es wieder von neuem los bis 7 Uhr abends, wo wir auf die Feldwache kamen.

Am 22.11. ging es um 8 Uhr ins Gefecht und danach ununterbrochen bis 7 Uhr abends.

Am 23. ging das Gefecht um 4 Uhr an und dauerte bis 10 Uhr abends.

Am 24. lagen wir zur Reserve.

Feldpost

Rußland, den 25.11.14

Heute an unserem 9jährigen Hochzeitstag muß ich mir die Zeit nehmen um Euch einige Zeilen zu schreiben, wenn es auch schon 11 Uhr ist. Heute erhielt ich wieder 2 Pakete mit Tabak und 1 Karte und 1 Brief von deiner lieben Hand geschrieben. Ich danke dir maltausendmal dafür. Du kannst dir nicht denken, welche Freude es ist, wenn man einen Brief oder Karte aus der Heimat erhält. Wie ich aus dem heutigen Brief ersehen habe, hat Minna kranke Augen. Lasse es ja nicht drauf ankommen, und gehe zum Arzt, ehe dem lieben Kind etwas an seinem Augenlicht passiert, denn dieses kann man doch nicht entbehren. Hoffentlich ist es nicht schlimm, schreibe mir gleich ob es wieder besser ist, denn ich mache mir die größten Sorgen um das liebe Kind.

Liebe Frau, du klagst über mein weniges Schreiben, wir haben zu schlechte Postverbindung, die Feldpost kommt alle 8 – 10 Tage einmal zu uns. Du brauchst mir vorläufig keine Pakete mehr zu schicken, denn wir bekommen ja doch nichts. Das Paket von 10 Pfund und auch wie du schreibst vom Kriegerverein, habe ich noch nicht erhalten. Vorige Woche erhielt ich auch 1 Paket von deinem Bruder Heinrich mit Wurst und Zigarren. Liebe Frau sonst geht es mir noch gut, welches ich auch von Euch hoffe. Ich wollte dieses Elend hätte ein Ende, du kannst dir keinen Begriff machen wie es im Kriege zugeht. Wir können Gott nicht genug danken, dass sich der Krieg nicht in unserem lieben Vaterland abspielt. Denn wer dieses Elend nicht selbst mit ansieht, kann sich solches überhaupt nicht vorstellen. Wie geht es Euch sonst noch zu Hause, ist es auch schon ziemlich kalt zu Hause, hier ist es schon ziemlich hart gefroren. Schnee haben wir Gott sei Dank noch keinen, denn wenn wir Schnee hätten, können wir überhaupt nicht vorwärts. Hoffentlich ist der Krieg bald vorüber und wir kommen, wenn Gott will wieder bald gesund nach Hause. Denn bis hierher hat uns Gott geholfen und ich hoffen er wird uns auch weiter helfen. Sollte natürlich ein anderes Los bestimmt sein, so müssen wir uns hinein fügen, denn wenn Gott für einen eine Kugel bestimmt hat, so kann man nicht aus dem Wege gehen. Drum liebe Frau bete zu Gott, wie ich es auch tue, dann werden wir hoffentlich wieder in unserem trauten Familienkreis beisammen sitzen können.

Liebe Frau, ich bin bis jetzt noch recht gesund. Ein bischen Reumatismus habe ich, dieses schadet aber nicht, wenn mir weiter nichts zuschlägt, will ich es gerne ertragen. Sonstige Neuigkeiten weiß ich dir keine zu schreiben. Schreibe du mir alle 2 – 3 Tage einen Brief, denn wenn man etwas von zu Hause erfährt, dann vergisst man dieses Elend. Es ist 1 Uhr und ich will noch ein wenig ruhen, wer weiß was es morgen wieder gibt. Nun will ich schließen mit vielen Grüßen in der Hoffnung, dass Euch dieser Brief so gesund antrifft, wie er mich verlässt. Unter verbleibe ich dein treu liebender F. Bremond.

Viele Grüße an meine kleine Minna und alle die nach mir fragen. Auf Wiedersehen

Tagebuchauszug

Am 25. und 26. gingen wir in Verteidigungsstellung und lagen Tag und Nacht im Schützengraben.

An 27. bezogen wir einen Unteroffiziersposten. Wir blieben nun dauernd im Schützengraben liegen bis wir 1 Armeekorps Verstärkung erhielten.

Feldpost

Rußland, den 29.11.14

Ich ergreife das Blei, um Euch einige Zeilen zu schreiben. Wir sind jetzt aus dem Etappendienst ausgeschieden und in die Front übergegangen. Ich wollte es dir ja gar nicht mitteilen, damit du dir nicht noch mehr Sorge um mich machen sollst, ich will es aber doch tun, damit du nicht sagen kannst ich hätte dich hintergangen. Am 20.11.14 nachmittags um ½  4 Uhr kamen wir das erstemal ins Feuer. Es war mir im ersten Augenblick nicht einerlei, als ich aber doch sah, dass Gott uns in seiner Hand hatte, wurde es anders. Das Gefecht dauerte bis 10 Uhr abends. Alsdann blieben wir die Nacht im Felde liegen auf Vorposten. Seitdem habe ich bis jetzt 2 Gefechte mitgemacht, in denen unsere Comp. 34 Mann verlor. Ich bin Gott sei Dank noch unversehrt geblieben, denn dieses Wunder können wir nur dem lieben Gott zuschreiben, denn Gott leitet die Schlacht, er leitet auch die feindlichen Kugeln. Drum gehe ich auch mit festem Gottvertrauen in den heftigsten Kugelregen, denn ohne Gotteswillen ist kein Mensch da, welcher uns ein Haar krümmen kann. Sollte natürlich durch Gottes unerforschlichen Ratschluß eine Kugel für mich bestimmt sein, so kann ihr kein Mensch aus dem Wege gehen.

Liebe Frau, ich gehe nie ohne Gebet ins Gefecht, mache du es auch, bete zu unserem Herrgott, dann wird er mich auch wohl wieder in die Heimat gesund zurückschicken. Meine liebe teure Frau, mach dir nur keine unnötigen Sorgen um mach, denn wir stehen ja doch alle in Gottes Hand. Menschenhände können doch nichts ab und zutun. Liebe Frau, wie geht es Euch noch, seit Ihr noch alle gesund, was machen Minnachen seine Augen. Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja keine Minute, wo ich nicht an Euch lieben in der ferner Heimat gedenke, denn wenn man stets von Feinden umgeben ist, ist es einem nicht immer wohl zu Mute. Hoffentlich ist der schreckliche Krieg bald zu Ende. Wir denken wenn am Weihnachtstag die Glocken verkünden: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen, dann müsste Gott auch Friede machen mit den Völkern und das Schlachtengetümmel müsste aufhören, denn vom Krieg hat Ihr keine Ahnung.

Liebe Frau! Wilh. Müller von Leun ist verwundet, er war bei uns in der 1. Comp. Er hat einen Schuß ins Knie. Liebe Frau bis hierher hat Gott geholfen, er wird auch weiter helfen. Drum wollen wir auf Gott vertrauen, dann wird auch wohl die Sache gut ablaufen. Liebe Frau, sonstige Neuigkeiten weiß ich dir keine zu schreiben, ich bin bis jetzt noch ganz gesund, welches ich auch von Euch hoffe. Grüße mir alle Verwandte und Bekannte und alle, die nach mir fragen. Schreibe mir oft eine Karte oder Brief, damit ich etwas von Euch erfahre.

Unter vielen Grüßen verbleibe ich dein treuer, dich innigstliebender F. Bremond

Viele Grüße an Eltern und Geschwister.

Aus Wiedersehen bald in der Heimat

Tagebuchauszug

Am 30. morgens griffen wir den Feind wieder an und drängten ihn 7 km zurück.

Am 1.12. um 8 Uhr marschierten wir ab in der Richtung auf Lask, vom Feind war nichts mehr zu sehen, um 2 Uhr kamen wir ins Quartier.

Anmerkung

Am 2.12.1914 ist kein Eintrag im Tagebuch zu lesen, auch danach nicht mehr.

Bei dem Angriff auf Pabianice fiel Friedrich Christian Bremond bei dem Dorf Mogilno. Die Feldpost seiner Frau blieb unbeantwortet.

Ein halbes Jahr später schrieb Wilhelm Karl von der Front die Umstände des Todes von Friedrich Christian Bremond an Friedrichs Witwe Charlotte:

Feldpost von Wilhelm Karl

Lubartz, den 5.5.15

Lottchen!

Ich teile Dir mit, dass ich deine Karte erhalten habe. Ich habe mich schon öfters nach Fritz befragt wie und wann und wo er gefallen ist. Gefallen ist er am 2. Dezember. An einem Tannenwald bei dem Dorfe Magilno in der Nähe der Stadt Zlask in der Richtung bei Lotz. Er soll in dem Tannenwald bei Magilno gefallen und begraben sein, auch welche von Nauborn und Schwalbach. Du kannst dich beruhigen, die Gräber sind eben so gut in Reihe wie bei uns auf dem Friedhof. Wenn es vielleicht Friede gibt und du hin willst fahren, würdest du ihn auch schwerlich finden, denn das sind meistens lauter Massengräber. Auch gibt es hier keine Wege von einem Dorf zu anderen. Ich würde ja gerne einmal hingehen und nachsehen, wo er liegt, ich würde mir alle Mühe tun, denn auf Fritz habe ich soviel gehalten, wie auf meinen Bruder. Es ist ungefähr 70 km von hier entfernt, denn wir liegen in der Nähe der Stadt Nowemigasto auf der Karte kannst du es ja einmal nachsehen. Wir liegen vor der Stadt Tomashof ungefähr noch 40 km. Ich will dir noch mitteilen, sowie wie ich weiß hat er einen Kopfschuß. Da sind schwere Kämpfe gewesen. Die Verwundeten, die nicht mehr fort konnten, sind den Russen in die Hände gefallen. Es ist ja sehr traurig für die Hinterbliebenen, ihre Angehörigen nicht mehr zu sehen. Tröste dich mit den anderen, es ist ja eine sehr schwere Zeit für uns, aber hoffentlich kommen auch bald bessere und dieser mörderische Krieg ein Ende hat. Auch wird der liebe Gott an die Witwen Waisen denken, die für unser Vaterland gekämpft und gefallen sind. Lottchen ich will mich noch näher erkundigen, wenn ich noch was erfahre, so schreibe ich dirs. Ich will schließen unter vielen Grüßen an alle Bekannten und Verwandten

Wilhelm Karl

Ende 1918 war es Konrad Neu möglich, das Grab seines Schwagers zu besuchen, davon berichtete er:

Feldpostbriefe von Konrad Neu (Bruder von Friedrich Christians Frau Charlotte)

an Witwe Charlotte Bremond, Tiefenbach, Kreis Wetzlar

Absender: Schütze Konrad Neu, Fest-Laz 3, Baracke 3, Warschau

 

Warschau, d. 15.10.18

Liebe Schwester Charlotte!

Will dir mitteilen, dass es vorgestern einer meiner schwärzesten Tage war, die ich hier draußen im Felde erlebte. Denn ich stand am Grabe meines Schwagers Fritz. Ich hätte dich mit meinen Augen herbei sehen können, um einmal zu sehen das Grab, und die anderen vielen Gräber der anderen Kameraden, die dort auf dem Schlachtfeld ruhen. Das Grab liegt sehr schön am Waldrande, es ist von Lask 30 km zu gehen zum Grab und von Perbienice 16 km. Es ist ein Massengrab von 74 Mann, und Grab Nr. 17. Das Dorf dabei heißt Wogilna. Es fiel mir sehr schwer hinzukommen, denn ich müsste von hier drei Tage Urlaub haben und einen Fahrschein. Als ich hin kam, musste zu erst an die Kommandantur, die sprachen, hier sind keine 87 gefallen. Dann bin ich zu der Gräberkommandantur. Da hat man mir zuerst auch keine Auskunft geben können, denn der Totenschein stimmt nicht. Ich komme heute zu den Leichkranken.

Mit herzlichem Gruße

Bruder Konrad

Warschau, den 22. 10. 1918

Liebe Schwester Lottchen!

Meinen herzlichsten Dank für Deinen lieben Brief, welchen ich gestern mit großer Freud erhalten habe und sehr darüber gestaunt, dass Du an dem selben Tag, wo ich am Grab meines Schwager Fritz war, so ein Brief zu schreiben, wenn man den Brief so liest meint man, es hätte Dir was davon geahnt, dass es so sein sollte. Es ist mir aber sehr schwer geworden, an das Grab meines Schwagers zu kommen, denn ich habe sehr viel zu laufen gehabt. In Lodz wußten sie überhaupt nichts von ihm, und in Perbinica wollten sie zuerst auch nichts davon wissen. Ich hatte bloß gewünscht, ich wäre an dem Tage zu Haus gewesen, wie die Bilder angekommen sind. Schreibe es mir einmal, wie sie euch so gefallen. Ich will Dir nur ein wenig davon schreiben, wie es mir ging, als ich nach Perbinica, wie an Bahnhof kam, sollte ich nicht vom Bahnhof in die Stadt gehen ohne Gewehr, nur 60 Patronen und immer 3 Mann, denn es war in der Stadt für Deutsche Militär höchste Alarmbereitschaft, da bin ich doch erst weg, und bin zu der Kommandantur, da bekam ich keine Auskunft, von da bin ich nach der Gräberkommandantur, da bekam ich Auskunft, aber dürfte nicht hin gehen, weil Alarmbereitschaft war, da bin ich zum Hauptmann, und habe den gebeten, dass er mir zwei Mann gibt zum mitgehen, der sprach morgen ist es auch Sonntag, dann will keiner die 16 km laufen wollen, wo sie morgen freie Tage haben, ich sollte mal mit ihnen sprechen, da habe ich denen Geld gegeben, dass die mit mir sind. Ich möchte Euch mitteilen, wenn von Euch jemand die Grippe bekommen wird, so nehmt 4 Tabletten von denen aus der großen Rolle. Sonst geht es mir noch sehr gut, was ich auch von Euch allen hoffe.

Mit herzlichsten Grüßen auf baldiges Wiedersehen

Konrad.

Anmerkung:

Die heutige Grablage ist leider noch nicht bekannt, da in den 1920er Jahren die Gefallenen ohne deutsche Beteiligung umgebettet wurden.