Soldatenschicksal: Otto Fischer

Ein Biskirchener im Großen Krieg (1914)

von Hubertus Ochsler und Mario Zutt, Biskirchen 2004

Am 24. Juni 1914 fielen in Sarajewo zwei Pistolenschüsse, die zuerst Europa, dann die ganze Welt in ihren Grundfesten
erschütterten. Fieberhafte Diplomatie konnte das Unheil nicht aufhalten - am Samstag, 1. August 1914, gegen 06.00 Uhr abends kam über den Fernschreiber schließlich der Befehl: "Mobilmachung befohlen! 1. Mobilmachungstag  2. August 1914!"
In allen Orten des Deutschen Reiches wurde die Nachricht bekannt gemacht.

Auch in Biskirchen ging der Ortsdiener Friedrich Nell mit der Schelle durch die Gassen und informierte die Anwohner. Der Monteur Otto Fischer war einer von den Tausenden, der sich umgehend aufgrund seiner Mobilmachungsorder auf dem Haarplatz in Wetzlar einfand. Hier erhielt er den Befehl: Einrücken am 6. Mobilmachungstag (also am 7. August) in Gießen bei dem Landwehr-Infanterie-Regiment Nr.116!

Unmittelbar nach dem Ausrufen der Mobilmachung wurden in allen Kasernen Deutschlands die Siegel gebrochen und die Mobilmachungsbefehle abgearbeitet. Schon im Frieden war festgelegt worden, welche aktive Truppe Reserve- oder Landwehr-Einheit aufzustellen hat. So sollte in Darmstadt und Gießen ein Landwehr-Regiment aufgestellt werden, in der Landeshauptstadt des damaligen Großherzogtums Hessen der Stab und das I. Bataillon, in der Stadt an der Lahn das II. und III. Bataillon. Es bekam die Nummer des aktiven Gießener Regiments "116".

Vom 7. August an trafen die Mannschaften ein, hauptsächlich Hessen und Preußen aus Gießen und den umliegenden Kreisen.

Auch Otto Fischer rückte ein, begleitet von vielen anderen, überwiegend älteren Landwehrmännern aus Wetzlar und Umgebung. Sie wurden fast alle dem III. Bataillon zugeteilt, Otto Fischer selbst kam zur 12. Kompanie. In der gleichen Kompanie traf er die Biskirchener Heinrich Bessert und Karl Wolf, in der 7. Kompanie waren Heinrich Schäufler und August Weber eingerückt. Die Unterbringung der Männer erfolgte nicht ohne Schwierigkeiten, denn die Kaserne war überfüllt. So mussten sogar Bürgerquartiere angemietet werden. Auch die Einkleidung brachte Probleme mit sich, hatten doch die aktiven Truppen den Bestand an gängigen Größen schon stark gelichtet. Und doch - mit der Unterstützung aller ging es rasch vorwärts, so dass nach einigen Tagen noch einige Übungsmärsche absolviert werden konnten. Ausgerüstet war das Regiment mit dem Gewehr 88/05, Maschinengewehre und Feldküchen besaß es nicht. Aber die Landwehr, ältere, aber gediente Leute, sollten ja auch gar nicht in vorderster Front eingesetzt werden. Unterstellt war die Truppe der 49. Landwehr-Infanterie-Brigade, die wiederum der Etappeninspektion der 4. Armee zugeteilt war. Bahnschutz, Gefangenentransport u.ä. würden wohl die vorrangigen Aufgaben sein, so dachte man. Aber es sollte alles anders kommen......

Unter jubelnder Anteilnahme der Bevölkerung und nicht endenwollenden Lebewohlrufen erfolgte am 14. August die Abfahrt aus Gießen: um 07.45 Uhr nachmittags verließ auch der letzte Zug mit dem III. Bataillon die Stadt, um über Friedberg-Mainz-Bingerbrück-Kreuznach nach Birkenfeld an der Nahe zu fahren, wo die Truppe am nächsten Morgen um 09.30 Uhr vormittags die Züge verließ. Vereinigt mit den Teilen aus Darmstadt wurde zuerst einmal, noch auf deutschem Boden, Ortsunterkunft bezogen. Die 12. Kompanie mit Otto Fischer kam nach Hollenberg.

In den nächsten Tagen waren es überwiegend leichtere Erkundungs- und Bahnschutzaufgaben, die die Männer beschäftigten. Dann aber, am 18. August, setzte sich das ganze Deutsche Heer in Bewegung. Auch die 4. Armee unter der Führung des Herzogs Albrecht von Württemberg trat an - Richtung durch die belgischen Ardennen, um Neufchateau und die Semoislinie zu erreichen. Das III. Bataillon verblieb noch kurze Zeit in Hollenberg, wurde dann aber am 20. August in Neubrück auf die Bahn verladen, verblieb am 20./21. in der Stadt Luxemburg in der Industrieschule auf dem Leppertsberg, traf am 21. schließlich in Useldingen ein mit dem Auftrag, die Bahn Berg-Nördingen zu sichern. Der Auftrag wurde ausgeführt, aber schon am nächsten Tag wurden die Männer wieder abgelöst, das Bataillon marschierte nach Martelange. Hier wurden die Straßen rund um die Ortschaft gesichert, ein feindlicher Überfall erfolgte jedoch nicht. Am 23. ging es nach Fauvillers, am 24. dann Weitermarsch nach Habay-la-Neuve, von da nachmittags um 02.00 nach Neufchateau. In dieser Stadt blieb die Truppe bis zum 28. August. Der Aufenthalt war sehr unruhig, aus den Häusern wurde durch Zivilisten auf die Männer geschossen. Um die Bevölkerung abzuschrecken, wurden daraufhin auf Befehl des Brigadekommandeurs vier Häuser angezündet.

Aufgabe der Bataillone war es, das Schlachtfeld von Neufchateau aufzuräumen. Vor allem bei den Dörfern Bertrix, Ochamps und Anloy hatte die 25. (Großherzoglich Hessische) Division am 22. August eine der blutigsten Schlachten des ganzen Krieges geschlagen. Immer wieder wurden noch tote deutsche Musketiere gefunden, die im Sturmlauf eine fast doppelte französische Übermacht auf die Maaslinie zurückgeworfen hatten. Ihnen allen wurden würdige Gräber bereitet. Einen großartig-schaurigen Anblick bot ein auf der Straße Ochamps-Bertrix völlig aus nächster Nähe zusammengeschossenes französisches Feldartillerie-Regiment mit etwa 40 Geschützen!

Am 27. August wurde das II. Bataillon zu einem Sonderauftrag abkommandiert, es stieß erst am 15. September wieder zum Regiment. Einen Tag später erkämpften die aktiven und Reservetruppen die Maasübergänge im Raum um Sedan - der Vormarsch wurde fortgesetzt. Das III. Bataillon mit Otto Fischer verlegte man ab dem gleichen Tage bei glühender Hitze in äußerst anstrengenden Märschen nach Florenville, die 12. Kompanie mit Otto Fischer erreichte den Ort am 29., doch schon einen Tag später wird das Bataillon nach Mouzon an der Maas vorgezogen. Alarmquartiere wurden angeordnet, die Sicherung der Stadt übernommen. Am 1.September wurde das Schlachtfeld von Villers an der Maas aufgeräumt.

Einen Tag später traf das III. Bataillon ohne die für Sicherungsaufgaben in Mouzon verbleibende 11. Kompanie den Weitermarsch nach Stonne an. Endlich, am 3. September wird ein Ruhetag befohlen, es wird Ortsunterkunft in Quatre-Champs bezogen. Auch die 11. Kompanie trifft ein, das Bataillon ist wieder komplett. Morgens um 05.00 Uhr wird am 5. September wieder angetreten, Marschziel ist an diesem Tag Manre, wo auch die Nacht verbracht wurde. Die Vormarschstraßen waren überall deutlich gekennzeichnet durch unheimliche Massen von Weinflaschen, die von den zurückgehenden Franzosen, aber auch von den sie verfolgenden Deutschen geleert worden waren. Am 7. September sammelte sich die 49. Landwehr-Infanterie-Brigade bei Marson, zugeteilt werden Artillerie und Kavallerie. Vor den Männern tobte der Geschützdonner der Schlacht am Rhein-Marne-Kanal. In der Nacht zum 8. tritt die Brigade unter den Befehl des VIII. Armeekorps.

Nachdem am 7. September das Landwehr-Regiment alarmiert worden war, rückte das III. Bataillon über Courtisols-Marson nach Coulvagny vor, einem Vorort von St. Amand. Die anderen Bataillone traten ebenfalls an. Auf dem rechten Flügel des Deutschen Heeres war es zu einer Schlacht gekommen, an der Marne und östlich davon rangen deutsche und französische Truppen um den Sieg. Dem Frontverlauf nach links folgend wurden auch die folgenden Armeen in diese schweren Kämpfe einbezogen. Die 3. Armee und der rechte Flügel der 4. werfen südlich Vitry-le-Francois bis Humbauville und Sommepuis eine französische Armee. In diese dramatische - auf des Messers Schneide stehende - Kampfhandlung wurden auch die letzten Reserven eingesetzt. So griff auch die 49. Landwehr-Infanterie-Brigade in diese Kampfhandlungen ein.

Am 8. September vormittags um 08.00 Uhr stand das Regiment gefechtsbereit an Höhe 208 nördlich Vitry. Eine Stunde später erfolgte der Vormarsch über Vitry-Blacy nach Höhe 165, etwa 2 km westlich Blacy. Das III. Bataillon mit Otto Fischer hatte die Spitze. Nun entfaltete sich die Brigade mit Front nach Süden: Landwehr-116 rechts, das Schwesterregiment Landwehr-118 (aus Mainz und Worms) auf dem linken Flügel. Um 11.00 Uhr vormittags traten die 116er in die Schlacht ein, I. und II. Bataillon vorne nebeneinander, das III. Bataillon rechts gestaffelt. Allgemeine Angriffsrichtung ist Chatel Raould. Nun zeigt es sich, wie wichtig doch die Friedensausbildung war. Trotz des doch schon höheren Alters der Männer verlief die Entwicklung planmäßig, ja fast wie auf dem Exerzierplatz. Von der rechten Flanke kamen Hilferufe sächsischer Truppen. Das Regiment wurde nun eingedreht, auch diese schwierige Bewegung ging glatt von statten. Nun wurde das III. Bataillon etwas zurückgenommen. Schon erreichten die Spitzen die Bahnlinie Vitry-Sommepuis, sie wurde wie der hart südlich davon verlaufende Bach unter heftigem Feuer überschritten. Um die Mittagszeit wurden auf einer Höhe die sächsischen Regimenter 133 und 134 erreicht, sie unterstanden dem Kommandeur der 89. Infanterie-Brigade. Die Landwehr-116er wurden ebenfalls unterstellt und erhielten den Befehl, diese Höhe zu halten. Die Linie der Sachsen musste verstärkt werden, es wurde vorerst nicht weiter vorgegangen. Nun verlängerten die Landwehrmänner die Front nach links. Gegen 03.00 Uhr nachmittags lag das Regiment überall im Kampf auf den Höhen westlich Courdemanges.

Hier in der Mitte, mit allen vier Kompanien eingesetzt, lag auch das III. Bataillon mit Otto Fischer. Gegen 06.00 Uhr nachmittags ging Landwehr-118 zum Angriff vor, auch die 116er schlossen sich an. Besonders die Mitte und der linke Flügel werfen die Franzosen und drängten sie in die Waldstücke in Richtung Blacy-aux-Bois. Gefangene wurden gemacht und zurückgebracht. Als es dunkel wurde, zwang eigenes Flankenfeuer zum Zurückgehen. Bis tief in die Nacht dauerte der Kampf, Angriff und Gegenangriff wechselten sich ab. Schließlich zwangen Dunkelheit und das unübersichtliche Gelände dazu, das Gefecht abzubrechen und die alte Höhenstellung wieder einzunehmen. Von der 49. Landwehr-Infanterie-Brigade traf der Befehl ein, dass noch weiter zurückgegangen werden sollte. Aber der sächsiche Brigadekommandeur erhob Einspruch, seine Regimenter seien zu geschwächt, um einem starken Angriff des Feindes standhalten zu können. Schließlich entschied der Regimentskommandeur der 116er auf eigene Verantwortung, die Stellung bei den Sachsen weiter zu besetzen. So verging die Nacht, welche die Männer ohne Verpflegung in nur grob aufgeworfener Deckung verbrachten.

Strahlend ging die Sonne am 9. September auf. Schon früh am Morgen erfolgten französische Angriffe, die aber alle mit Hilfe der zugeteilten sächsichen Maschinengewehre abgewiesen wurden. Dann erfolgte heftiges feindliches Artilleriefeuer auf die Höhen, einige Teile der Deutschen mussten zurückgenommen werden. Am Nachmittag nahm das Granatfeuer noch an Heftigkeit zu, das Regiment hielt in guter Disziplin aus, obwohl stärkere Verluste eintreten. Weitere Vorstöße des Gegners blieben ohne Erfolg. Um 03.00 Uhr nachmittag erreichte die Schlacht ihren Höhepunkt, das Vorgehen der Deutschen begann. Als die Sonne sank, ist der linke Flügel der Franzosen bei Humbauville umfaßt, die Landwehr-116 rückt von Vitry auf Remy vor - der Sieg winkt!

Gar mancher guter Kamerad von Otto Fischer aus dem III. Bataillon ist in diesen Kämpfen bei Vitry gefallen: So ereilte am 8. August das Soldatenschicksal die Landwehrmänner Heinrich Hecker aus Schwalbach und Ludwig Ulzenheimer aus Burgsolms. Auch den schon 47jährigen Unteroffizier der Landwehr Otto Kuhse aus Wetzlar traf die Todeskugel, und Landwehrmann Heinrich Gaul aus Oberndorf wurde schwer verwundet, er starb nur einen Tag später in einem Feldlazarett. Am 9. August fielen dann noch die Landwehrmänner Jakob Brück aus Wetzlar und Christian Schweitzer aus Greifenstein. Viele andere wurden noch verwundet, doch die Hoffnung, Entscheidendes geleistet zu haben, war bei allen vorhanden.

Dann geschah für viele das Unfaßbare: Am Abend des 9. Septembers traf für das Regiment als auch für die Sachsen der Rückzugsbefehl ein, nach Einbruch der Dunkelheit begann die Bewegung. Die deutsche Oberste Heeresleitung hatte die Schlacht an der Marne abgebrochen und den rechten Heeresflügel zurückgenommen. Nun mußte auch die Mitte, in der u.a. die 4. Armee kämpfte, folgen. Das III. Bataillon nahm 10.00 Uhr abends eine Aufnahmestellung an Höhe 186, am Morgen des 10. eine solche bei Punkt 129 ein und deckte das Zurückgehen der Kameraden. Ein Nachdrängen des Gegners erfolgte zunächst nicht. Am Vormittag bezog das Regiment Biwak nördlich Höhe 165, es wurde aber um 02.00 Uhr nachmittags abgebrochen. Denn nun tasteten sich französische Einheiten, die das Zurückgehen der Deutschen hier zunächst auch nicht richtig einordnen konnten, langsam vor. So erfolgte ein Angriffsbefehl für die 116er, wohl um diesen feindlichen Angriff aufzuhalten und damit sicherzustellen, dass alle eigenen Truppen ordnungsgemäß zurückgenommen werden können. Landwehr-116 ging in vorderster Linie vor, I. Bataillon links, III. Bataillon rechts, das II. folgt rechts gestaffelt. In dünnen Schützenwellen griffen die Landwehrmänner an, zum zweiten Mal wurde die Bahnlinie überschritten und schon in Dunkelheit unter großen Schwierigkeiten der Bach südlich der Bahn. Nun verschoben und verwickelten sich die Einheiten im Dunkeln - die Verbände gerieten mehr und mehr durcheinander. Für einen solchen Nachtangriff fehlte doch die nötige Erfahrung und Ausbildung. Von lautloser Stille war keine Rede, teilweise wurde sogar Sturmsignal geblasen. So konnte sich der Feind zur Abwehr einrichten, und starkes Artilleriefeuer schlug in die Reihen der Landwehr ein, vermischt mit heftigem MG-Abwehrfeuer der Franzosen. Den 116ern fehlte hingegen jegliche Unterstützung - sie rannten tapfer gegen eine Feuerwand an. Und dennoch gelang es dem I. Bataillon, Teile des Gegners zum weichen zu bringen. Und auch das III. Bataillon konnte verhindern, dass die Franzosen ihrerseits zum Gegenangriff antreten. Abends um 10.30 Uhr wurde der Angriff abgebrochen, nachdem die deutsche Führung festgestellt hatte, dass der Feind nicht weiter vorgedrungen war. Doch alle Teile des Regiments wurden davon nicht erreicht, noch nach Mittag kämpften 2 Kompanien um eine vom Feind ausgebaute Stellung an den Weinbergen. In der Dunkelheit verirrten sich viele und liefen den Franzosen in die Hände, zahlreiche Verwundete blieben liegen, gar mancher Kamerad wurde vermisst.

Nachdem sich das Regiment in Laufe der Nacht wieder auf dem Biwakplatz gesammelt hatte, wurde auch Otto Fischer zunächst vermißt. Da erst am 11. September um 05.00 Uhr morgens abmarschiert werden sollte, ging mancher Kamerad noch einmal nach vorne und suchte das Schlachtfeld ab. So wurde noch mancher Verwundete gerettet. Für den Biskirchener, den man schließlich doch noch fand, kam aber jede Hilfe zu spät. In aller Eile konnte ihm auf dem Schlachtfeld nur noch ein Soldatengrab geschaufelt werden. Etwa 250 Mann des Landwehr-Infanterie-Regiments 116 fielen oder sind seit dieser Schlacht vermisst, über 300 wurden verwundet. Bis zum Kriegsende am 11. November 1918 hat kein deutscher Soldat diesen Boden mehr betreten.

So lagen die Gräber der deutschen Landwehrmänner, unter ihnen auch das von Otto Fischer, über 4 Jahre fast unberührt. Dann begannen ab 1919 langsam die Aufräumarbeiten. So wurde der deutsche Soldatenfriedhof Connantre 1922 von den französischen Militärbehörden als Sammelfriedhof für die innerhalb von 67 Gemeinden in zahllosen provisorischen Feldgräbern ruhenden deutschen Gefallenen angelegt. Sie alle hatten während der ersten Marneschlacht Anfang September 1914 südlich des Flusses und den angrenzenden Schlachtgebieten ihr Leben verloren. Da seinerzeit auch aus klimatischen Gründen die Toten sehr schnell beerdigt wurden, war eine spätere Identifizierung im Rahmen der Zusammenbettung nur bei etwa der Hälfte möglich. Von den 8.931 Gefallenen ruhen 526 in Einzelgräbern, vier von ihnen blieben namenlos. In den beiden Gemeinschaftsgräbern sind 8.369 Opfer bestattet. Die Hälfte von ihnen - 4.247 Gefallene - blieben unbekannt.

In einem der Kameradengräber ruht auch Otto Fischer, bei der Umbettung konnte er glücklicherweise identifiziert werden. So blieb den Angehörigen wenigstens das doch so furchtbare namenlose "vermisst" erspart und die Möglichkeit, das Soldatengrab zu besuchen, besteht noch heute.

Heinrich Otto Fischer wurde am 30.06.1887 als erstes Kind der Eheleute Emil und Luise Fischer, geb. Zipp, in der heutigen Silbergasse 5 in Biskirchen geboren. Ihm folgten die Geschwister Minna Luise Henriette *12.03.1890, Adolf Wilhelm *16.06.1894 und Luise *22.01.1898.

2 Jahre nach dem Tod seines Bruders, im Frühjahr 1916, wurde sein Bruder Adolf (+16.04.1952) ebenfalls zum Infanterie Regiment 116 eingezogen. Nach seiner militärischen Grundausbildung kam er zur 4. Kompanie im Armierungsbataillon 116 und wurde reklamiert zur Arbeitsdienstleistung in Dortmund. Er überlebte den Krieg.

Leider sind heute keinerlei Unterlagen über Otto Fischer bei den Nachkommen der Familie mehr vorhanden. In der Familie galt er, bis vor kurze Zeit noch, als 1914 bei Verdun in Frankreich vermisst.

Ihm und aller Opfer der kriegerischen Handlungen ist dieser Bericht gewidmet.
 

Quellenangaben: